SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

Schnaps selbst herstellen: Dr. Schmickl beantwortet Ihre Fragen zum Herstellen von Schnaps – Maische, Destille, Verdünnen, Geiste, Rezepte…

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Eintrag Nr. 220
hallo herr dr. schmickl,

wollte mich nocheinmal bei ihnen für das sehr interessante, lehrreiche und nette seminar am wochenende (8./9. dezember) bedanken.
es hat mir wirklich sehr viel spaß gemacht !

gleichzeitig möchte ich t. aus münchen und
h. aus kehlheim bitten mir (wie besprochen)
zu mailen.
edelbrand, Deutschland
11.Dez.2001 12:19:53
Es freut micht, daß Ihnen das Seminar gefallen hat! Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Brennen.
Eintrag Nr. 219
Hallo Herr Dr. Schmickl,

kann man zur PH-Wert Bestimmung in der Maische auch elektronische Geräte (z.B.: http://www.eurotronik.de/index.htm) benutzen? Diese Geräte sind eigentlich mehr für Aquarien gedacht.
Moonshiner, Hobbybrennland
09.Dez.2001 14:57:40
Zuerst mal ein schönes Hallo ins Hobbybrennland!
:-))
Ja, natürlich kann man auch elektronische Geräte zum pH-Wert- Messen verwenden. Allerdings muß man zur richtigen Benutzung der pH-Elektrode ein halber Chemiker sein. Diese Elektroden sind sehr empfindlich und müssen immer in einer speziellen Lösung (1 molare KCl-Lösung)aufbewahrt werden (diese Lösung ist allerdings nicht gerade billig). Läuft die Eledtrode einmal trocken, so können Sie diese wegwerfen (Elektrode ist recht teuer). Bevor die Elektrode benutzt wird, ist sie immer zu eichen, dafür ist wieder eine spezielle Eichlösung notwendig. Auf Grund dieses hohen Wartungsaufwandes finde ich die pH-Elektroden für das Kontrollieren von Maische nicht geeignet, ganz zu scheigen von den Kosten. PH-Meßstäbchen sind wartungsfrei und von den Kosten her einfach günstiger.
Eintrag Nr. 218
Hallo Herr Schmickl,
nochmals einige Kommentare bzw. Fragen zum Eintrag 214 (Anbrennproblem): Ich setze einen Gasbrenner ein, der sich mittels Nadeventil exzellent regulieren läßt. Die gleichen Anbrennprobleme hatte ich auch bei Verwendung Ihres Spiritusbrenners (Apfelmaische). Ich denke, daß das Zerkleinerungsverfahren die Ursache sein kann (Küchenmaschine, Zerkleinerung wie beim Reibekuchen) und glaube, daß der Anbrennschutz so keine Funktion hat.
Was denken Sie? Wie zerkleinern Sie Äpfel?
Danke.
Jürgen K.
Jürgen K, Deutschland
04.Dez.2001 13:03:36
Wir zerkleinern die Äpfel, Birnen, Zwetschken oder ähnliches, indem wir mit Gummistiefeln darauf herumtreten. Gibt man dann Verflüssiger hinzu, wird die Maische absolut dünnflüssig, der feste Anteil beschränkt sich auf sehr wenig dünnbreiiges Mus. Der Fruchtanteil ist sehr fein, dennoch kann er vom Aromakorb zurückgehalten werden. Die ganz kleinen Anteile, die durchgehen, führen zu keinem Anbrennen. Ich fürchte, Sie heizen einfach zu schnell auf. Mit dem Spiritusbrenner kann ich mir das nicht vorstellen, es hat bisher noch kein einziger Seminarteilnehmer geschafft, daß im Kessel etwas anbrennt.
😉
Eintrag Nr. 217
Sehr geehrter Herr Dr.Schmickl!

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen (Eintrag:215).

Dazu noch folgendes:
Wieviele Tropfen Antischaum benötigt man für 50 Liter Maischmenge (reiner Hollunder)? Wird die Qualität (Geschmack) des Schnapses dadurch beeinträchtigt?
Wie lange würde es dauern, bis ich das Antischaummittel bekomme?
Wolfgang Höller, Österreich
03.Dez.2001 14:43:45
Sie brauchen ca. 10-20 Tropfen für 50 Liter Maische. Man gibt den Antischaum aber erst kurz vor dem Brennen zu. Die Qualität des Schnapses wird dadurch überhaupt nicht beeinträchtigt. Lieferdauer: innerhalb von Österreich 2-3 Tage (der normale Postweg).
Eintrag Nr. 216
Sehr geehrter Dr.Schmickl

da Methyalk. bei 64.7C und EthylAlk. bei 78.5C
verdampft. Liegt es doch nahe den Vorlauf bis zu
einer Brenntemp. von 80-82C laufen zu lassen und
den eigendlichen Mittelbrannt dann bis 91-92C
und ab dann den Nachlauf. Liege ich hiermit richtig? Bei uns in der nähe ist eine Obstbrennerei und diese Arbeitet vollautomatisch,
Einfüllen und den Startknopf drücken,die Abtrennung erfolgt automatisch. Kann ja nur über die Temperatur gesteuert werden.
Oliver, Deutschland
02.Dez.2001 22:39:25
Ich weiß, daß große Anlagen so arbeiten, dafür haben Sie auch sehr viel Verlust bzw. Trennen den Vorlauf zu wenig ab. Die Temperatur hängt nämlich NUR vom Alkoholgehalt im Kessel ab. Destillieren Sie z.B. einen 43%'igen Alkohol, so kommt bereits bei 79°C eine sehr große Destillatmenge drüber. Bei geringer %vol Maische hingegen kann es sein, daß der Vorlauf bis 84°C geht.
Methylalkohol bildet jedoch mit Ethanol eine destillativ untrennbare Verbindung (=Azeotrop), somit kann es leider, sofern vorhanden, nie mehr ganz aus dem Brand entfernt werden. Daher sollten Sie immer darauf achten, daß beim Vergären von dieser Substanz möglichst wenig entsteht (sauber arbeiten, keine faulen Stellen, Reinzuchthefe, Gärspund, pH-Wert).
Eintrag Nr. 215
Was kann man gegen die starke Schäumung beim Schnapsbrennen des schwarzen Hollunders machen?

Was kann man gegen die Eintrübung beim fertigen Schnaps machen?
wolfgang, Österreich
02.Dez.2001 13:30:50
ad 1: hier helfen ein paar Tropfen Antischaum, und die Schmaumbildung wird unterdrückt

ad 2: Für die Trübung kann es folgende Gründe geben:
1. Beim Verdünnen muß der zu verdünnende Schnaps und das destillierte Wasser annähernd die gleiche Temperatur haben. Wenn der Schnaps noch etwas warm ist und das dest. Wasser sehr kalt, wird der Schnaps sicher trüb.
Lösung, wenn schon trüb: wieder unverdünnten hochprozentigen Schnaps zugeben, dann löst sich diese Trübung meist wieder auf
2. Wenn zu viel Nachlauf dabei ist, wird der Schnaps milchig-trüb, und zwar oft schon VOR dem Verdünnen. Die Edelbrand-Fraktion sollten Sie daher maximal bei 91°C Dampftemperatur
abtrennen. Tritt die Trübung trotzdem auf, noch früher (bei Bananen Maische sind dies zB 89°C).
3. Sie brennen zu rasch und etwas von der Maische geht über. Dann klebt ein bißchen Maische im Dampfrohr und wird vom Destillat immer ein wenig mitgespült.
4. Oft wird der Schnaps auch ohne Fehler trüb, das hängt meist von der Furchtsorte ab und ist bei Pflaumen nichts ungewöhnliches.
Lösung für 2, 3 und 4: filtrieren Sie den Schnaps über einen Kaffeefilter, genügt das nicht, geben Sie auch noch Watte in den Filter und einen zweiten Filter darüber. Eine weitere Möglichkeit: geben Sie den Schnaps über Nacht in den Tiefkühler, und filtrieren anschließend. Wir haben aus diesem Grund
auch die speziellen Faltenfilter, mit diesen bekommen Sie eigentlich jede Trübung weg.
Sollte alles nichts nutzen, können Sie nur mehr ein zweites Mal
destillieren.
Eintrag Nr. 214
Habe letzlich aus einer Mirabellenmaische einen hervorragenden Brand hergestellt. Da Mirabellen sehr teuer sind und ich beim Brennen etwas Probleme mit dem Anbrennen hatte (die Mirabellen wurden vorher von Hand zerquetscht und nach Zugabe von Enzym waren die Fruchtpartikel sehr fein, so daß sie vom Aromakork nicht zurückgehalten werden konnten), möchte ich im Sommer einen Mirabellengeist herstellen.
Geplant ist die Mirabellen zu halbieren, etwa die gleiche Menge an Ansatzalkohol (60%) dazuzugeben, 4 Wochen stehenlassen und dann über dem Aromasieb zu Brennen.
Hat jemand Erfahrung mit dieser Prozedur??? Wie war der Erfolg???
Jürgen K, Deutschland
01.Dez.2001 14:42:19
Bezüglich Ihres Anbrennproblemes sehen Sie bitte auf Eintrag Nr. 212. Wenn Sie die Mirabellen in 60%vol Alkohol ansetzen, dann sollten Sie diese länger als 4 Wochen ziehen lassen, 8 Wochen wären das Minimum. Beim Destillieren könnten Sie in den Aromakorb zusätzlich noch frische Mirabellen zugeben, auf diese Weise erhalten Sie das maximale Aroma.
Eintrag Nr. 213
Sehr geehrter Dr. Schmickl
kann ich am höchsten Punkt des Geistrohres wo
das Thermometer hin kommt, als Verschluß für diese
einen Korken verwenden wie er bei Weinflaschen
üblich ist ? Oder muß ich hier mit einer Geschmacksverschlechterung rechnen?
Oliver M, Deutschland
29.Nov.2001 19:20:49
Einen Korken können Sie nehmen, er hat keine Geschmacksverschlechterung. Sie müssen nur auf die Dichtheit achten, das ist das Problem beim Korken im allgemeinen.
Eintrag Nr. 212
Problem: Anbrennen von Fruchtmaischen

Auf Grund der Tatsache, daß ich zu meinen Fruchtmaischen immer Enzym (Oestreich) dazugebe, sind die Fruchtpartiken am Ende der Gährung sehr fein verteilt. In der letzten Zeit hatte ich verstärkt Probleme mit dem Anbrennen der Maische am Boden des Brennkessels, obwohl ich den Aromakorb eingesetzt habe (Fruchtpartikel werden nicht mehr zurückgehalten). Dieses Problem trat in den letzten Monaten mit Kirsch-, Mirabellen- und Apfel-Maischen auf. Die Früchte wurden vor dem Einmaischen sowohl mit einer Küchenmaschine als auch von Hand zerkleinert, Probleme gab es bei beiden Verfahren. Nur erwäge ich vor dem Brennen die Maische zu filtrieren, was jedoch ein zusätzlicher Schritt ist und zu Aromaverlusten führen kann.
Kennt jemand dieses Problem?? Wie wurde es gelöst?? Wenn gefiltert wurde: wie wurde es gemacht??
Danke im voraus.
Jürgen K.
Jürgen K, Deutschland
28.Nov.2001 18:44:35
Nein, Sie sollten keinesfalls filtrieren, schade um den Aromaverlust! Wir haben die gleichen Maischen, ebenfalls Verflüssiger, und auch bei uns sind die Maischen sehr dünn und die Fruchtpartikel sehr fein. Der Aromakorb hält nur die großen Anteile zurück, die sehr feinen Teile gehen immer durch. Das muß so sein, denn wenn der Korb kleinere Poren hätte besteht die Gefahr, daß das Sieb verpackt und so es zu einem Überdruck in der Anlage kommt und alles in die Luft fliegt.
Dennoch: auch die dünne Maische darf keinesfalls anbrennen, wir arbeiten schon mehrere Jahre lang so, und dieses Problem ist bisher noch nie aufgetreten. Wir arbeiten aber immer mit dem im Lieferumfang beinhalteten Spiritusbrenner. Ich vermute sehr stark, daß Sie mit einem anderen Brenner arbeiten. Verwendet man einen Gasbrenner, dann ist die Flamme viel heißer und punktueller! Das führt zu folgendem Nachteil:
1. Durch die stark konzentrierte Hitze kommt es zum Anbrennen, auch der Kessel selbst kann dadurch beschädigt werden.
2. Durch einen Gasbrenner wird viel schneller aufgeheizt und destilliert. Daher kann sich zwischen den Fraktionen Vorlauf - Edelbrand - Nachlauf das Gleichgewicht nicht mehr richtig einstellen, denn man braucht einfach Zeit und Geduld, bis sich dieses einstellt. Bitte berücksichtigen Sie das unbedingt bei Ihrem Brennvorgang.

Lösungsmöglichkeiten:
- Bei Verwendung eines Gasbrenners unbedingt eine Keramikplatte oder zumindest ein Gitternetz zwischen Kessel und Brenner geben. Dadurch kann die punktuelle Hitze verteilt werden und die Anbrenngefahr wird verringert.
- Filtration der Maische: zuerst die Maische mit einem sehr groben Sieb filtrieren, damit die größten Fruchtteile entfernt werden. Anschließend durch ein feines Drahtmaschensieb schicken. Sie können einfach über einem Faß ein feines Drahtnetz aufspannen und etwas eindrücken. Dann die Maische drüberschütten und einige Tage stehen lassen. Den übergebliebenen Filterkuchen schließlich noch gut auspressen. Wenn der Fruchtwein klar werden soll, in Flaschen mehrere Monate stehen lassen, sodaß sich die Schwebstoffe absetzen und anschließend abdekantieren.
Viel Erfolg!
Eintrag Nr. 211
Hallo Nr. 210,

falls der Kessel neu ist, kommt der Geschmack vermutlich vom Flussmittel, das zum Löten benötigt wird. Da hilft dann nur fleissiges Reinigen.
Moonshiner, Deutschland
25.Nov.2001 13:20:08
Danke für den Tip!
Eintrag Nr. 210
Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl

Meine Brände(Himbeergeist, Orangengeist etc.)alle haben immer so einen seltsamen Geschmack, man könnte sagen Kupferblechgeschmack. Beim Kosten der Getränke, d.h. im Nachgang ist dieser Geschmack weg und schmeckt sehr gut und rein. Ich arbeite exakt und sauber, verwende nur reife und saubere Früchte, so wie in Ihrem Buch beschrieben. Können Sie mir sagen, was ich falsch mache oder liegt es wirklich am Kupferkessel? Wie könnte dieser blechige Geschmack eliminiert werden? Gerne erwarte ich Ihre geschätzte Antwort.

Mit den besten Grüssen und vielen Dank zum voraus
Armin
Armin, Schweiz
20.Nov.2001 04:03:10
Ich gehe davon aus, daß Ihre Brände außer in der Anlage mit keinen anderen Metallen in Kontakt kommen, die nicht resistent gegen Alkohol sind. Kosten Sie Ihren geschmacklosen Alkohol, den Sie für die Geiste verwendet haben. Hat dieser keinen metallischen Geschmack, so habe ich Ihre Anlage im Verdacht. Vielleicht können Sie in diesem Fall bei Ihrem Verkäufer reklamieren, denn soetwas sollte natürlich nicht vorkommen! Oft sind auch schlechte Lötstellen die Ursache.
Um diesen Geschmack nachträglich zu eliminieren fällt mir nur die Aktivkohle ein. Dann müßten Sie allerdings den Himbeer- und Orangengeist erneut herstellen. Aber ich denke es wäre besser so, als 'metallischen' Schnaps zu trinken!
Vielleicht hilft es, die Anlage mit Soda zu reinigen oder sehr stark geschwefelten Wein (meist in der unteren Preiskategorie) zu destillieren (danach ist die Innenseite einer Kupferanlage wie neu, der Dampf der Schwefeligen Säure putzt alles weg).
Eintrag Nr. 209
Sehr geehrter Hr. Dr. Schmickl,
ich habe 40 Liter Zwetschkenmaische ( 20 KG Fruchtanteil ) mit ausreichend Zucker angesetzt und anschliesend 22 %/VOL erreicht !!!, mit Ihrer Turbohefe.Gärzeit 4 Wochen. Nun habe ich 2 Fragen.

1. Ist es normal, daß wenn ich auch bis sogar 96° brenne ein Restalkohol von 8% in der Maische verbleibt ?

2. Muß ich wirklich alle Zwetschkensteine vor dem Brennen aussieben oder kann ich auch ca. 10% der Steine mit brennen. Vieleicht wird der Geschmack doch noch besser mit den Steinen? Das Vergären mit den Steinen ist doch in Ordnung ,oder?

Für Ihren Rat vielen Dank im Vorraus.

Wolf
Wolf, Deutschland
16.Nov.2001 01:00:51
1. ca. 8% Restalkoholgehalt im Sumpf bei 96°C Dampftemperatur erscheint mir zwar ein wenig hoch, die Größenordnung paßt jedoch (entweder war die Alkoholbestimmung falsch oder das Dampfthermometer falsch montiert). Die Fraktion von 91° bis 96°C dürfen Sie aber nur als Nachlauf sammeln, der Edelbrand ist bei 91°C zu Ende.
2. Beim Vergären lassen Sie die gesamten Steine drinnen. Das erspart viel Arbeit, denn nach der Vergärung sind die nackten Steine ohne anhaftendes Fruchtfleisch alle am Boden gesammelt und können leicht abgeschöpft werden. Beim Brennen geben Sie ca. 10% der Steine zu, nur dann hat man nämlich den richtigen Slivovitz-Geschmack. Aber achten Sie darauf, daß die Kerne ganz sind. Beschädigte Kerne sofort weggnehmen (dadurch wird Amygdalin frei, woraus sich Blausäure bildet).
Noch ein Tip: bei Obst mit Fruchtwasser wie eben auch Zwetschken brauche Sie nicht 50% Wasser der Maische zugeben. Nur bei 'wasserarmen' Substanzen wie z.B. Hollerblüten sollten Sie das tun. Wenn Sie das nächste Mal Zwetschken machen, geben Sie nur soviel Wasser zu, wie Sie zum Reinigen Ihrer Geräte benötigen. Sie werden sehen, beim Zwetschkenschnaps können Sie dann fast 'in die Früchte hineinbeißen'!
Eintrag Nr. 208
Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl,
ich habe 4 Fragen an Sie bzw. das Diskussionsforum.
1. Kann ich zum Verdünnen des Gebrannten auch frisches Quellwasser nehmen oder sind dabei Trübungen o.ä. zu erwarten?
2. Ist bei der Verwendung von Kunststoffmeßzylindern (Ermittlung des Alkoholgehaltes per Meßspindel) in Verbindung mit Hochprozentigem eine Geschmacksbeeinträchtigung zu erwarten oder verwendet man besser einen Meßzylinder aus Glas?
3. Worin besteht der Unterschied zwischen Brennhefe und Sherryhefe? Bekommt das Destillat bei Verwendung unterschiedl. Hefen auch unterschiedl. Aromen?
4. Muß ich bei Ansatz eines Zuckerweines unter Verwendung von Brennhefe oder Sherryhefe noch Nährsalz beigeben?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Johannes Klinke
Johannes Klinke, Deutschland
14.Nov.2001 21:51:29
1. Quellwasser ist bei uns in der Regel stark kalkhältig, somit ist mit Trübungen zu rechnen.
2. Auf alle Fälle Glaszylinder verwenden, denn der hochprozentige Alkohol löst aus dem Kunststoff Weichmacher und andere Chemikalien heraus.
3. Brennhefe ist spezialisiert auf die Herstellung von Maische und die folgende Destillation. Sherryhefe ist spezialisiert auf die Herstellung von Sherrywein, also eine Weinhefe. Weinhefen neigen dazu, ihren Geschmack leicht an die Maische weiterzugeben. Sherry hat z.B. auch einen sehr leichten Sherrygeschmack. Das kommt allerdings nur (wenn überhaupt) bei sehr geschmacksarmen Maischen zum Tragen. Wir haben früher nur mit der Sherryhefe gearbeitet und hatten nie eine Geschmacksbeeinflussung.
4. Bei Sherryhefe müssen Sie Nährsalze zugeben. Bei der Brennhefe prinzipiell auch, es gibt hier aber soviele unterschiedliche Marken, daß man das nicht so generell sagen kann. Es muß auf alle Fälle auf der Verpackung obenstehen, wenn Nährsalze bereits enthalten sind. Wenn nicht, müssen Sie IMMER Nährsalze zugeben.
Hallo Helge,
habe dein Seminar dieses Jahr sehr genossen, echt super. Habe erst heute wieder Bilder davon angeschaut. Hier eine kleine Frage an alle Brenner.
Habe ca. 5 Liter Zwetschgenmaische (14% via Gaerfix) abgezogen und die so erhaltenen ca. 4 Liter Wein gebrannt. Im Seminar haben wir (bei sauberem einmaischen) die ersten 20 Tropfen die rauskommen abgetrennt. Wenn ich nach meinem Geschmack gehe, muss das viel mehr sein. (Der Wein ist astrein, keine Fehlgaehrung) Nach meinen Geschmack abgetrennt, ergeben sich (nach Verduennung auf 42%) nur ca. 300 ml Schnaps, welcher allerdings hervorragend schmeckt. Ich bilde mir ein,daß man eine viel hoehere Ausbuete erhalten soll. Wie kann das sein?
Es freut mich, daß Dir das Seminar gut gefallen hat! Nun zum Vorlauf: die ersten 20 Tropfen gelten für einen 2 Liter Kessel. Vorsicht, wenn Du beim Abtrennen des Vorlaufes nach dem Geschmack vorgehts. Vorlauf RIECHT nach Lösemittel und Kleber. Der Edelbrand, der direkt danach kommt, hat nun ca. 83%vol Alkohol. Kostest Du diesen, dann schmeckt er extrem scharf und riecht stechend. Oft werden diese Eigenschaften mit dem Vorlauf verwechselt, in Wirklichkeit handelt sich aber um den besten Teil des Edelbrandes, also Vorsicht! Am besten vor dem Kosten schätzungsweise verdünnen, dann kann man mehr sagen. Denn wenn Du sauber gearbeitet hast, sollte keinesfalls mehr Vorlauf entstehen.
Nun zur Destillatmenge: Die 300ml sind viel zu wenig. Hast Du wirklich soviel vermeintlichen Vorlauf abgetrennt? Das wäre dann schade. Hast Du auch bis 91°C gebrannt, sonst verlierst Du hier wiederum zuviel. Hier eine kurze Übersicht, was an Destillat zu erwarten ist:
4 Liter 14%vol: ca. 900 ml 43% Destillat
4 Liter 20%vol: ca. 1300 ml 43% Destillat
Eintrag Nr. 207
Hallo Helge !
Was ist die Ursache, dass ein Schnaps scharf schmeckt & wie kann das vermieden werden (außer jahrelang im Eichenfaß zu lagern) ?
Karl Eiböck, österreich
25.Okt.2001 20:51:13
Das jahrelange Eichenfaß lagern hilft da auch nicht wirklich, damit kann man nur ein erstklassiges Produkt noch besser machen. Meistens wird die Schärfe durch falsche Gärführung und/oder Destillation verursacht. Wenn unsauber vergärt wird und dadurch viel Vorlauf entsteht und bei der anschließenden Destillation dieser nicht abgetrennt wird, entsteht sozusagen Feuerwasser. Am besten noch einmal destillieren, aber diesmal den Vorlauf richtig abtrennen.
Ist kein Vorlauf enthalten, wird der Schnaps milder, wenn die Flaschen offen, nur mit einem Tuch bedeckt, 4 bis 6 Wochen gelagert werden. Alternative: Mit einer kleinen Luftpumpe aus dem Aquarium 24 Stunden lang auf kleinster Stufe Luft durchblasen. Achtung: keinen PVC-Schlauch verwenden (die Weichmacher werden herausgelöst), sondern einen Silikonschlauch.
Schnäpse aus hochgradigen Maischen sind in der Regel übrigens sehr mild.
Eintrag Nr. 206
Hallo,
habe 42 kg Zwetschgenmaische in Annäherung nach Ihrem Rezept hergestellt.
Sherryhefe, 9 kg Zucker, 25 Tage vergoren, Alk. 15-16%,
Ergebnis : 6 Liter Brand mit 66%, Qualität sehr gut (nur 1x gebrannt).
Vorlauf hatte ich kaum( Kerne und Faulstellen entfernt).
Den Mittellauf habe ich bereits bei 53% ( Temp. 85^C ) abgebrochen, da kaum
noch Aroma vorhanden war.
Ist das so o.K., oder kann ich etwas verbessern?
Klaus, Deutschland
23.Okt.2001 10:46:26
Die Beschreibung der Maische ist in Ordnung. Sie können aber bis 91°C Dampftemperatur destillieren. Wenn Sie hochprozentige Maische mit ca. 16%vol destillieren, so erhält man als Produkt ca. 53%vol Destillat. Es ist nämlich besser, das Destillat mit dem wäßrigen Destillat, das aber dennoch Zwetschkengeschmack hat, 'zu verdünnen', als mit reinem destillierten Wasser. Über 91°C sollte man aber dennoch nicht gehen, da hier nur noch schlecht schmeckende Substanzen (=Nachlauf) kommen.
Eintrag Nr. 205
Sehr geehrter Herr Schmickl,

Ich möchte aus Zuckerrüben und Kartoffeln Schnaps brennen. Wie muß der Ansatz erfolgen ? Müssen Rüben und Kartoffeln evtl. gekocht werden oder müssen sie roh verarbeitet, zerkleinert werden ?
Udo Baumgärtner, Deutschland
21.Okt.2001 17:59:11
Rüben oder Kartoffeln müssen Sie vorher unbedingt zerkleinern, am besten mit einem Hexler. Zuckerrüben enthalten Saccharose (=Rohrzucker), im sauren Milieu kann dieser problemlos mit Hefe zu Ethanol (='Trinkalkohol') vergoren werden. Bei Kartoffeln genügt es allerdings nicht nur 'normale' Hefe hinzuzugeben, Sie brauchen auch das Enzym Amylase (ist im Malz enthalten) zum Abbau der Stärke, weil die Kartoffel keinen Zucker sondern nur Stärke enthält. Je nach verwendetem Produkt müssen Sie die Maische unterschiedlich lange erhitzen. Angeblich soll es auch helfen die Kartoffeln vor den Einmaischen einzufrieren (am besten durch den Frost), mit dieser Methode habe ich allerdings keine Erfahrungen.
Eintrag Nr. 204
Hallo zusammen,
ich habe jetzt meinen ersten Apfelschnaps angesetzt. Die Maische (ca. 100 Liter) hat nach 2 Tagen angefangen zu gären. Nach nur einer Woche war die Vergährung so stark, dass der Gärspund ca. alle 2 - 3 Sekunden nach oben gestiegen ist. Dabei hat die Maische allerdings auch so stark nach oben gedrückt, dass ich einen Teil in ein 30 Liter Fass ausgelagert habe. Danach ging der Gärprozess deutlich langsamer und ich bin mir nicht sicher, ob er jetzt, nach insgesamt 3 Wochen nicht schon aufgehört hat. Ist das normal? Oder habe ich eventuell durch das verlagern der Maische in das kleinere Fass den Prozess ungewollt beeinflusst?
Danke im voraus,
Markus
Markus Knöfel, Deutschland
19.Okt.2001 16:30:58
Durch die Verlagerung der Maische sollte nichts passieren. Ich denke doch, daß Sie vor der Aufteilung alles gut umgerührt haben, um so die Hefen, Flüssigkeit und Feststoffe gleichmäßig auf die beiden Fässer zu verteilen. Nach 3 Wochen kann die Gärung durchaus zu Ende sein, wenn Sie bei einer Temperatur höher als ca. 21°C arbeiten. Je nach verwendeter Hefe können Sie Ihren Zielalkoholgehalt vorher abschätzen. Messen Sie mit dem Vinometer, ob dieser Alkoholgehalt erreicht wurde. Andere Überprüfung: wenn die Gärung fertig ist, sinkt der Fruchtkuchen im Faß nach unten und die Maischeflüssigkeit wird ganz klar.
Eintrag Nr. 203
zu 201:
du kannst das destillat verdünnen, so daß es zwischen 10 und 25 %-vol liegt(nur einen kleinen Teil!) und dann im Vinometer messen. Dabei sollte natürlich genau verdünnt werden. dann kannst du mit dem Verdünnungsfaktor multiplizieren und hast den Ausgangsalkoholgehalt deines Destillats.
i bin i, Deutschland
18.Okt.2001 08:10:51
Theoretisch haben Sie vollkommen recht. Praktisch sieht es aber so aus, daß das Vinometer viel ungenauer mißt als das Aräometer. Wenn Sie jetzt zusätzlich noch mit einer ganz kleinen Menge arbeiten, so genügt ein kleiner Verdünnungsfehler (Sie müßten sehr genaue Geräte für die Mengenmessung verwenden) und die Messung ist nicht mehr wert als eine Schätzung. Außerdem sollten Sie auch die Temperaturkorrektur nicht vergessen.
Prinzipiell gilt: wenn möglich den Alkohol über 20%vol immer mit dem Aräometer messen, denn beim Verdünnen sollten Sie genau arbeiten. Vinometer für den Alkoholgehalt in der Maische verwenden, dafür genügt die Genauigkeit vollkommen.
Eintrag Nr. 202
Hallo
Nachdem ich Ihr Buch gelesen hatte,probierte ich für den Anfang 9,5% Weiswein zu destilieren über den ich ein Netz mit Orangenschalen hing.
Frage1: Ist es normal, daß troz langsamer Wärmezufuhr das Destilat erst ab einer Dampftemperatur von 96°c (an der höchsten stelle des Geistrohres gemessen) kondensiert und dann nur langsam aus dem Rohr tröpfelt?

Da ich nur einen kleinen 1liter Kessel habe bekam ich nur wenig Destilat.
Frage2: Wie kann ich den Alkoholgehalt bei keinen Mengen messen (ca 100 ml) so das ich ihn auf Trinkstärke verdünnen kann?
Marco, Deutschland
13.Okt.2001 22:43:33
ad 1: Nein, das ist nicht normal. Bei Weißwein sollten bei 82°C die ersten Tropfen herauskommen. Überprüfen Sie Ihr Thermometer (in kochendes Wasser halten, sollte ca. 97°C zeigen). Haben Sie vielleicht in der Anlage einen großen Druckverlust durch zu enge Rohrführungen?
ad 2: Genau aus diesem Grund haben wir unser Meßset. Einen 100ml Meßzylinder nehmen, zu 3/4 füllen und ein Aräometer hineingeben.
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