SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

Schnaps selbst herstellen: Dr. Schmickl beantwortet Ihre Fragen zum Herstellen von Schnaps – Maische, Destille, Verdünnen, Geiste, Rezepte…

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Eintrag Nr. 500
Bericht über ersten Versuch mit Anlage aus dem Hause Schmickl:
Rotweinverschnitt in Karton mit 10%vol aus Aldi
Warum passen in den Topf weniger Liter hinein als angegeben?
Das hat mich geärgert!! Wein hatte etwar 15 Grad. Habe den Brenner zu 3/4 gefüllt und gezündet.Nach 5 Minuten tropfte das Kondenswasser immernoch vom Topfboden, und auch mal in die Flamme. (mangelnde Leistung) Danach hat sich der Brenner selbst so erwärmt, dass er völlig in Flammen stand! Lebensgefahr!!!!! Ist der aus Thaiwan?? Habe ich was falsch gemacht? Der stößt fast an den Topfboden. Kann nicht wirksam reguliert werden.
Habe dann meinen Brenner aus meinem Trangia Sturmkocher genommen. Auf den Schweden ist verlass! Temperatur stieg stetig aber verhalten.
Bei ca 75 Grad erste Tropfen. Gläschenreige aufgestellt, 5 Stück. Damit sollte nach meiner Meinung der Vorlauf gefangen sein. Ab ca 85 Grad in Saftgläser laufen lassen(500ml) bis ca 92 Grad.Damit war für mich der Edelbrand gefangen. Dann extra Gefäße für Nachlauf aufgestellt und noch ne Weile bis 95 Grad gebrannt.Das war nochmal eine Menge von 500ml.
Ergebnis:Vorlauf kann von mir nicht exakt abgegrenzt werden. Mein Edelbrand hat nach Spindel nur eine Stärke von ca 45%vol der Nachlauf von 30%, 18%, und 8%vol.
Habe ich zu viel Nachlauf im Edlen? Hätte doch nach Diagramm um die 55% haben müssen. Bin unsicher was die Qualität betrifft. Weiß auch nicht wie er schmecken muss. Aus Aldi-Resten wird nicht mehr? Wie lage ist es sinnvoll den Nachlauf zu fangen?
Fruchtsäure greift Metall an, das ist bekannt. In wie weit sollte die Anlage gereinigt werden? Wieder metallisch blank?
Wenn Sie mal Zeit finden für mich, würde ich mich auf eine Antwort zu den Problemen freuen. Besonders aber was die Anlage betrifft. Die war ja nicht umsonst.
Danke
Jo, EU
07.Mär.2003 07:12:29
In den Kessel paßt niemals die angegebene Füllmenge hinein, da anderfalls der Kessel übergehen würde, d.h. Sie dürfen immer nur bis maximal 3/4 auffüllen. Gemessen wird die Menge aber bis zum Rand.
Kondenswasser entsteht, wenn Sie eine kalte Flüssigkeit in den Kessel geben, da kann die Anlage wirklich nichts dafür. Wir benutzen dieses Geräte nun schon jahrelang bei den Seminaren und hatten das Problem nie, da
1. die zu brennenden Flüssigkeiten nicht kalt gelagert werden
2. wir in keinen feuchten warmen Räumen arbeiten.
Dies könnte die Ursache für Ihr Kondensproblem sein.
Brennerproblem: Wenn der Brenner völlig in Flammen steht, da bedeutet dies, daß er mit ziemlicher Sicherheit zu voll gemacht wurde. Aus den Löchern im Brennerschaft kommen große Flammen heraus, nur dadurch kann er die notwendige Hitze erreichen. Bei allen Spiritusbrennern ist es normal, daß es am Drehrädchen, d.h. wo eine kleine Öffnung zwischen Spiritus und Ausenluft ist, immer zu einer Flammenbildung kommt, das läßt sich nicht ändern.
Der Brenner läßt sich problemlos sehr genau regulieren, man darf nur nicht mit Gewalt vorgehen. Sollte er irgenwie stecken oder ähnliches, so genügen ein paar Tropfen Öl, und das Problem sollte beseitigt sein. Haben Sie dennoch weiterhin Brennerprobleme, so bitte ich Sie, mich umgehend zu kontaktieren und wir werden den Brenner selbstverständlich tauschen.
Bezüglich Tangria Sturmkocher (ich besitze auch einen) haben Sie folgendes Problem, daß die Flamme nicht fein genug regulierbar ist, dieser kleine, verschiebbare Deckel genügt nicht. Auf diese Weise werden Sie Probleme haben, den Vorlauf bzw. Nachlauf richtig abzutrennen, denn es ist unbedingt erforderlich, insbesondere während der Übergangsbereiche, die Tropfgeschwindigkeit genau einzustellen, anderfalls vermischen sich die Fraktionen. Weiteres Tangria-Problem: die Füllmenge reicht nicht für einen Durchgang, man muß wechseln.
Aufheizvorgang: heizen Sie zuerst alles mit maximaler Stufe auf, ab ca. 60-65°C reduzieren Sie den Brenner ca. um die Hälfte, andernfalls würde der Inhalt spritzen und z.T. übergehen. Das Thermometer steigt während dieser Phase recht rasch an, kommt in dieser Zeit bereits Destillat heraus, so handelt es sich um Vorlauf. Dann reduziert sich der Temperaturanstieg und die Änderung ist nur noch sehr langsam = Beginn des Edelbrandes. Bei 10-11%vol Kesselinhalt kommt der erste Tropfen Edelbrand ca. bei 81,5°C (hängt vom Alkoholgehalt im Wein ab) heraus. Bei Weißwein sollten Sie so gut wie keinen Vorlauf haben (bei Produkten aus dem Handel), auf Grund der anderen Herstellungsweise bei Rotwein hat man bei diesem jedoch geringe Mengen Vorlauf. Beginnen Sie mit der Nachlaufabtrennung bei 91°C. Wenn Sie bis 92°C gehen möchten, dann fangen Sie die Fraktion 91-92°C in einem Extragefäß auf. Kosten und riechen Sie zuerst, der Nachlauf hat einen angebrannten, verkochten, leeren Geschmack und auch Geruch.
Der Edelbrand mit 45%vol ist bei 10%vol Wein in Ordnung, mehr können Sie nicht erreichen. Je höher die Alkoholkonzentration im Kessel, um so höher auch die Alkoholkonzentration im Destillat. Bei z.B. 20%vol Brenngut erhalten Sie ca. 55-57%vol im Destillat (gesamte Edelbrandfraktion).
Bezüglich Diagramm im Buch: diese Kurve bezieht sich auf eine ca. 20%vol Maische, der Kurvenverlauf hängt jedoch vom Alkoholgehalt im Kessel ab. D.h. bei Ihrer Konzentration von 10%vol sind die 45%vol wie gesagt OK.
Da Sie nun die 45%vol haben, also ideale Trinkstärke, brauchen Sie nicht mehr zu verdünnen. Weine, die im Handel erhältlich sind, wurden "geschwefelt". Riechen Sie während dem Destillieren bzw. in Ihr fertiges Destillat, es wird sehr unangenehm stechen = Schwefelige Säure. Nehmen Sie einen Mixer und rühren Sie nun SCHÄUMEND, d.h. das Destillat muß wirlich schäumen wie Bier, ca. 2-3 min lang Luft ein. Danach hat sich der Schwefel verflüchtigt.
Sie haben reinen Wein destilliert? Dann dürfen Sie sich vom Aroma nicht allzuviel erwarten. Besser ist es, den Wein mit dem Aromakorb zu destillieren und Früchte oder Kräuter zuzusetzen, dann erhalten Sie wirklich was Gutes.
Reinigung der Anlage: wir reinigen unsere Anlagen nur mit Wasser, einmal im Jahr wird der Kühler entkalkt. Um die Anlage wieder auf Hochglanz zu bringen verwenden Sie ganz feine Metallschwämmchen, die bereits Putzmittel enthalten haben (in Ö: "Brillo"). Aber wirklich nur die feine Ausführung, bei den etwas dickeren Metallschwämmchen schäuern Sie das Metall vom Schwämmchen auf die Anlage hinauf, wodurch diese dann silbern wird. Wichtig: lassen Sie die Anlage immer offen stehen, den Deckel nicht fest verschließen sondern umgedreht auf den Kessel legen. Nicht in feuchten Räumen oder im Freien aufbewahren. Denn alles Feuchte könnte Grünspan hervorrufen.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen etwas weiterhelfen, haben Sie aber weiterhin Probleme, dann rufen Sie bitte gleich an, das bekommen wir schon hin.
Eintrag Nr. 499
Habe Bestellung von Ihnen schadlos empfangem. Vielen Dank dafür!!
Bin Anfänger. Sie haben meine Fragen sicher schon einmal in der Vergangenheit an diesem Ort beantwortet.Frage aber trotzdem!
Habe das Buch gelesen (H. f. Selbstbr.).
Umgang mit Vinometer etwas unklar. Arbeitsweise nicht, aber das Ergebnis stimmt nie mit der Packungsaufschrift überein. Zeigt immer zwei und mehr %vol über der Angabe an. Auch wenn Wein 20 Grad hat. Zucker??Ist das Vinometer unkorrekt, oder gibt es eine Faustregel zur Rorrektur?
Jo, EU
05.Mär.2003 21:45:00
Es freut mich, daß alles gut angekommen ist!
Vinometermessung: Das Vinometer ist zur Alkoholmessung im Bereich von 3 bis 20% zu benutzen. Zuerst eine kleine Probe der zu messenden Maische bzw. Wein mit einem Kaffeefilter filtrieren. Das Vinometer mit filtrierter Flüssigkeit füllen und warten bis sie durch die Kapillare zu tropfen beginnt. Auf Blasenfreiheit achten! Sollten Bläschen in der Kapillare sein, einfach unten kurz ansaugen. Dann das Vinometer um 180°C von oben nach unten drehen, die Flüssigkeit sinkt in der Kapillare nach unten, bei Stillstand dann ablesen. Nach Gebrauch mit destilliertem Wasser reinigen.
Wenn Restzucker enthalten ist, kommt es zu einer leichten Abweichung von +/- 1%, mehr sollte allerdings nicht der Fall sein. Wichtig ist, daß Sie keine Blasen in der Kapillare haben und die Kapillare ca. 1 Minute absinken lassen.
Daß das Vinometer unkorrekt ist hoffe ich doch nicht.
😉
Eintrag Nr. 498
Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl!
1.)Wie lange kann ein Rotwein, der geöffnet wurde, einen Tag offen war, und dann in Kanister gefüllt wurde, bei ca 0-5 Grad gelagert wurde, nach dem öffnen der Weinflaschen gebrannt werden?
2.) Stimmt es, daß man einen solchen Wein nur einmal brennen muß und das es fast keinen Vor und Nachlauf gibt?
Vielen Dank & Liebe Grüße
Oliver
Oliver K., NÖ
05.Mär.2003 19:56:18
ad 1: Sie können den Wein solange lagern und brennen, solange er noch trinkbar ist und keinen Essiggeschmack bzw. Schimmel aufweist. Meines Wissens nach könne Sie Wein doch einige Wochen lagern, besonders wenn er eher kühl plaziert ist, ohne daß etwas passiert.
ad 2: Wenn der Wein mind. 11%vol hat, dann müssen Sie nur einmal brennen, hat er einen geringeren Alkoholgehalt, so kommen Sie im Destillat unter 40-43%vol, ein zweiter Brennvorgang ist also erforderlich. Weißwein, der im Handel erhältlich ist, hat keinen Vorlauf. Rotwein, der seine Farbe durch die Traubenschalen erhält, hat hingegen einen geringen Vorlaufanteil, d.h. beim Brennen sollten Sie eine Vorlaufabtrennung durchführen.
Eintrag Nr. 497
Hallo H. Schmickl,

Ihre Turbohefe habe ich genau nach Anleitung mit der passenden
Menge Zucker (ohne Früchte) vergären lassen.Mir fällt auf das mein Endprodukt (85%)einen scharfen Geschmack aufweist und einen klebstoffartigen Geruch hat.
Woran kann das liegen?
Vielen Dank für Ihre Hilfe
ge, deutschland
02.Mär.2003 14:55:01
Bevor Sie den 85%vol Alkohol auf Geschmack überprüfen, verdünnen Sie unbedingt eine kleine Probe. Der extrem hohe Alkoholgehalt sticht sehr scharf und der Geschmack und Geruch kann nicht wirklich beurteilt werden. Wenn Sie eine kleine Probe schätzungsweise auf ca. 45%vol verdünnt haben, so kosten und riechen Sie nochmals. Liegt der Klebergeruch immer noch vor, dann haben Sie Vorlauf produziert. Ursache hierfür kann nur ein fehlender Gärspund sein bzw. wenn in diesem während der Vergärung nicht regelmäßig das Wasser getauscht wurde. Es kann aber auch vorkommen, daß Fehlgärungen durch (geringe) Verunreinigungen des Gärgefäßes entstehen. Schärfe entsteht durch eine nicht ideale Abtrennung von Vorlauf bzw. Nachlauf.
Eintrag Nr. 496
zu 493: die kolonne hat einen durchmesser von 28 mm (handelsübliches kupferrohr mit schraubverbindern) und eine gesamtlänge von 95 cm ohne kühler. als füllung benütze ich edelstahltopfreiniger. als kessel dient ein 10l topf mit einer 800 watt heizplatte mit magnetrührer. wenn ich nur etwa 80 %-vol anstrebe destilliere ich auch schon mal mit einem 30 l einwecktopf mit integrierter 2000 watt heizung auf vollgas ( dann aber ohne jeglichen rücklauf- dafür ist bei dieser leistung der durchmesser der kolonne zu klein ). bei dem kleinen kessel und höheren prozenten regle ich den rücklauf kontinuierlich so, daß die dampftemperatur möglichst konstant bei dem wert bleibt, der dem siedepunkt des gemisches entspricht, das ich anstrebe. (mehr als die 92-93 % sind aber bei der anlage nicht drin :-))) )
thomas, bayern
27.Feb.2003 15:12:42
Danke für die Info zum Betrieb einer Rektifikations-, Reflux bzw. Rückflußkolonne!
Eintrag Nr. 495
Hallo H. Schmickl,
zu Eintrag 494
heißt daß, es ist besser ich kaufe in der Apotheke 100% Alkohol und verdünne vor dem Ansetzen auf 50%?
Fuchslocher Werner, Kärnten
27.Feb.2003 13:28:30
Ja, kaufen Sie 96%vol Alkohol und verdünnen Sie diesen 1:1 auf ca. 48%vol, das ist für Himbeeren auf alle Fälle besser.
Eintrag Nr. 494
Hallo H.Schmickl,
Wenn ich Himbeeren mit 38% Wodka ansetze, muß ich sie vor dem brennen mit destilliertem Wasser verdünnen oder den Geist erst nachher.
1.Wie weit verdünne ich herunter.
2.Messe ich den Angesetzten mit dem Alkoholmeter oder mit dem Vinometer.
Vielen Dank für Ihren Tipp.
Fuchslocher Werner, Kärnten
27.Feb.2003 05:54:23
38%vol Wodka geht zum Ansetzen gerade noch. Himbeeren sind sehr wässrig, daher wäre hier 50%vol Alkohol ideal. Verdünnen Sie vor dem Brennen den Ansatz auf keinen Fall, erst das Destillat wird auf ca. 43%vol verdünnt. Während des Verdünnens gut umrühren, ansonsten kann es zu Trübungen kommen.
Das Vinometer kann nur bis ca. 23%vol messen, der Angesetzte ist daher viel zu stark. Wenn der Angesetzte ungezuckert ist, und die Früchte vorher abfiltriert werden (mit einem einfachen Kaffeefilter), dann können Sie für die Alkoholmessung das Aräometer verwenden. Allerdings ist in diesem Fall das Meßergebnis nur ein grober Schätzwert.
Eintrag Nr. 493
zu 491: also erstens wollte ich sagen, daß es sehr gut geht, die säule mal zu benutzen und mal nicht.
zu der temperatur: der sinn einer ruckflußanlage ist es doch, so hochprozentigen alkohol zu produzieren wie möglich-das erreicht man aber nur dadurch, den rückfluß soweit zu erhöhen- also so wenig destillat ablaufen zu lassen, daß die dampftemperatur nicht über den siedepunkt des gewünschten alkohol-wasser-gemisches steigen zu lassen. d.h. z.b. bei 80 %-vol ca 82°c. wenn die dampftemperatur 92 °c beträgt läuft auch bei der besten anlage nur etwa 55 %-vol ab. wenn nämlich der ruckfluß erhöht wird sinkt die dampftemperatur.
als persönlichen kommentar möchte ich noch anfügen, daß ich mit einer 90 cm kollonne auf 92 %-vol komme 😉
thomas, bayern
26.Feb.2003 18:40:03
Vielen Dank für die sehr detaillierte Info. Mit ca. 92°C und etwa 55%vol haben Sie natürlich vollkommen recht, sorry, daß ich das unten nicht so genau erläuert habe, aber dann wäre die Antwort viel zu lang geworden. Interessant wäre noch zu wissen, mit welchem Rücklaufverhältnis Sie arbeiten (wieviel Tropfen bzw. ml pro Minute gehen zurück und wieviel in die Vorlage), welchen Durchmesser die Kolonne hat, ob Sie Füllkörper benutzen und wie groß das Füllvolumen des Kessels ist.
Eintrag Nr. 492
Sehr geehrter Herr Schmickl,

ich habe mit der bei Ihnen erstandenen Anlage schon einige recht gute Ergebnisse erzielt - leider haben alle meine Brände im Abgang einen leichten Nachlaufgeschmack, obwohl ich bei knapp unter 91° die Nachlauftrenung vornehme.
Ich habe gestern probeweise das Thermometer in sprudelnd kochendes Wasser gehalten: etwas weniger als 98°. Habe daraufhin normales Leitungswasser destilliert: es tropft bei einer Dampftemperatur von ca. 94,5° !!
Das Thermometer ragt ca. 2 cm unten aus dem Silikonstopfen raus (Stopfenoberkante ist bei 11°).
Wo ist das Problem in der Anlage? Bekomme ich den Nachlaufgeschmack durch nochmaliges Destillieren und Nachlauftrenung bei ca. 88° weg?
Mit bestem Dank für Ihre Hilfe,
Raimund
Raimund, Wien
24.Feb.2003 17:16:42
1. Sie können bei Ihren Bränden immer bis 91°C gehen, erst danach den Nachlauf abtrennen. In diesem Wert ist bereits genug "Sicherheit" inkludiert.
2. Wird das Thermometer in kochendes Wasser gehalten, so sind 98°C genau richtig. Wasser kocht bei 100°C nur unter idealen Bedingungen, d.h. auf Meereshöhe und bei genau einer Atmosphäre Luftdruck. Das Thermometer ist in Ordnung.
3. Wenn das Thermometer beim Destillieren von Wasser nur 94,5°C anzeigt, so haben Sie das Thermometer falsch eingebaut. Drehen Sie den Anlagendeckel um. Stecken Sie das Thermometer hinein. Aus dem Thermometerstutzen darf im Inneren des Deckels nun nur genau die rote Thermometerkugel herausschauen - nicht mehr und nicht weniger. Denn nur genau dann wird das Thermometer ideal vom Dampf umspült. Sie messen eine zu niedrige Temperatur, d.h. Sie haben vermutlich das Thermometer zu hoch, IM Thermometerstutzen stecken.
4. Wenn Sie den Einbau des Thermometers korrigiert haben, so wird auch Ihr Nachlaufproblem gelöst sein. Sie haben zu niedrige Werte gemessen, dadurch wurde auch der Nachlauf mitdestilliert. Wir destillieren mit diesen Anlagen oft auch ätherische Öle (da befindet sich im Kessel reines Leitungswasser, im Dampfraum die Pflanzenteile). In diesem Fall messen wir genau 98°C. Sie haben also eine Abweichung von 98-94,5=3,5°C. Wenn Sie diese Abweichung berücksichtigen (Nachlaufbeginn: 91-3,5=87,5°C), müssen Sie das Thermometer nicht umbauen.
Ja, Sie können den Nachlauf durch eine nochmalige Destillation abtrennen.
Eintrag Nr. 491
Hallo Herr Dr. Schmickl,

ich habe mir für Versuchszwecke zur Destillation von Zuckeransatz in Verbindung mit Turbohefe eine kleine Reflux gebaut. Jetzt stellt sich die Frage ob die Brenntemperatur wie bei einer Multitopfanlage ebenfalls bis 91° gefahren werden darf, oder hier andere Temperaturen Berücksichtigung finden müssen. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Wolfgang, Leverkusen
23.Feb.2003 18:32:45
"Multitopfanlage" kann sowohl eine einfache Destillationsanlage, als auch eine Reflux sein. Es hängt von der Bauart nach dem Topf und vor dem Kühler ab. Bei Selbstbauanlagen bietet sich natürlich die Möglichkeit an, eine Rückflußkolonne (bzw. Rektifikations- oder Refluxkolonne) als Zwischenstück vorzusehen, welches je nach Bedarf weggelassen (für einfache Destillationen, maximales Aroma) oder eingebaut (zur Herstellung von geschmacksneutralem Alkohol) werden kann.
91°C Grad sind bei einer Reflux nicht unbedingt (un)gültig, es hängt von der Trennleistung der Kolonne und dem Alkoholgehalt im Kessel ab. Da sich der Temperaturverlauf jedoch stufenförmig ausbildet, sind die drei Fraktionen relativ leicht zu erkennen. Siehe dazu auch Eintrag Nr. 490.
Eintrag Nr. 490
Hallo Herr Dr. Schmickl.

Habe da mal eine Frage!
Wie ist es bei einer Rückfluss Brennanlage mit den trennen des Vorlauf bzw. Rücklauf.

Grüsse kalle
kalle, Deutschland
22.Feb.2003 21:20:43
Bei einer Rückflußdestille (Rektifikation bzw. Reflux) ist der Vorlauf und Nachlauf sehr gut abzutrennen. Im Gegensatz zu einer einfachen Destillation, wo der Temperaturverlauf eine stufenlose Kurve bildet, sind hier Stufen zu bemerken. Je mehr theoretische Böden (bessere Trennleistung) die Kolonne hat, desto schärfer zeichnen sich die Stufen ab. D.h. innerhalb einer Fraktion bleibt die Temperatur lange nahezu konstant, bei den Übergängen steigt die Temperatur rasch an. Somit sind die Fraktionen relativ leicht unterscheidbar. Die Temperatur der "Edelbrand" Stufe hängt von Alkoholgehalt im Kessel und der Trennleistung der Kolonne ab. Allerdings berücksichtigen Sie, daß das Aroma nur relativ schwach bei dieser Art der Destillation mitkommt, so ein Gerät ist zur Herstellung von geschmacklosen Alkohol gedacht.
Eintrag Nr. 489
Hallo Herr Dr. Schmickl,
entsteht beim vergären von Früchten auch 2-Propanol (Isopropanol), da dieses bei 82,4 Grad verdampft. Wenn ja ist es Gesundheitsschädlich.
H. Kiese, NRW
21.Feb.2003 12:04:56
Wenn Sie sauber arbeiten, d.h. Obst waschen, alles Faule weg usw., zusätzlich einen Gärspund verwenden und Reinzuchthefe, werden bei der Vergärung kaum Nebenprodukte entstehen. Andernfalls kann eine Vielzahlt von Alkoholen (n-Propanol, Butanol etc.) und andere Stoffgruppen entstehen, z.B. auch Buttersäure, Aceton usw. Isopropanol im Speziellen ist mir bei der Vergärung von Früchten jedoch nicht bekannt.
Eintrag Nr. 488
Hallo Herr Dr. Schmickl

Wenn ich Rotwein Destieliere habe ich dann auch den den giftigen Vorlauf (Methylalkohol) und wie kann ich feststellen ob Methylalkohol enthalten ist ?
Vielen Dank
Mario, Deutschland
20.Feb.2003 18:47:40
Methylalkohol und Vorlauf ist nicht das gleiche. Vorlauf entsteht durch unreines Arbeiten und Fehlgärungen, kann also verhindert werden. Vorlauf besteht zum Großteil aus Acetaldehyd, und nur zu einem geringen Teil aus Methanol.
Methanol entsteht durch das Vergären holziger und kerniger Anteile, wird dann zum Teil im Vorlauf abgetrennt, der Rest verteilt sich über das gesamte Destillat. Da Rotwein durch die Schalen der Früchte (also inkl. Kerne, die "Maische" wird im Gegensatz zum Weißwein nicht filtriert) seine Farbe erhält, ist ein gewisser Methanolanteil sicher vorhanden. Wenn es sich um Wein, der im Handel erhältlich ist, handelt, so brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, der Methanolanteil ist dann mit Sicherheit nicht in einem gesundheitsschädlichem Ausmaß vorhanden.
Einen zuverlässigen und einfachen Methanol-Test gibt es leider nicht, weil alle Tests nicht richtig funktionieren, wenn die Probe auch Ethanol enthält.
Eintrag Nr. 487
Grüß Gott Herr Dr.Schmickl!
Wie sieht es denn eigentlich rechtlich aus, wieviel Schnaps darf ich denn in Deutschland ohne Anmeldung brennen?
Tobias, Deutschland
16.Feb.2003 15:46:14
"Anmeldefrei" bezieht sich immer nur auf die Anlagengröße, nicht auf die Schnapsmenge. Sie dürfen in Deutschland bis zu einer Kesselgröße von 0,5 Liter anmeldefrei brennen.
Eintrag Nr. 486
Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl,
ich habe einen Gärstarter angesetzt und heute, nach 3 Tagen, tut sich noch gar nichts. Für 30 Liter ApfelMaische = 3 Liter Wasser lauwarm, Saft von 7 Orangen und 5 Zitronen, 450 g Zucker, 14 g Vierka Brennmaischhefe, 20 g Hefenährsalz von Fa.Knopf und 1,5 kg fein gehaspelte Früchte. Das ganze gut mit einem Farbrührer und Bohrmaschine verrührt und mit einem Tuch abgedeckt. Raumtemperatur 22°C. Was kann der Grund des nicht-gährens sein?
Mit besten Dank im Voraus für Ihre Hilfe und wieder - einen guten Geist im Glas.
RoPi, Österreich
13.Feb.2003 22:19:09
Ihre Zugaben sind alle in Ordnung, bei 22°C sollte nach wenigen Stunden die Gärung starten. Sofern ich das von hier aus beurteilen kann, liegt es an der Hefe.
1) Was ist "lauwarm"? Mehr als 27°C überlebt so gut wie keine Hefe, vielleicht haben Sie die Hefe gleich bei der Zugabe gekillt.
2) Vielleicht war die Hefe alt bzw. abgelaufen, dann sollten Sie dort wo Sie sie gekauft haben reklamieren.
3) "Brennmaischhefe" von Vierka eignet sich für einen Zuckeransatz nur bedingt, hier kommt es immer wieder zu Problemen. Vielleicht sind dieser Sorte 150 g Zucker je Liter (laut Ihren Angaben) schon zu viel, obwohl ich mir das nicht vorstellen kann, weil dies ca. 7,5%vol nach vollst. Vergärung entspricht, soviel Fruchtzucker haben ganz normale Zwetschken!
Fazit: nach drei Tagen und 22°C können Sie den Gärstarter auf jeden Fall verwerfen, da dies ideale Bedingungen für Schimmel- und Fäulnisbildung sind.
Eintrag Nr. 485
Hallo Herr Schmickl,
mit sogenannten Rücklaufdestillen kann sehr hochprozentiger Schnaps gebrannt werden.
Wie sieht es aber mit dem Geschmack aus ?
Grüße
J. Bartel
J. Bartel, Deutschland
13.Feb.2003 10:48:46
Bei den Rücklaufdestillen erhält man sehr reinen, hochprozentigen Alkohol, d.h. der Alkohol wird vom Rest (Wasser, Aromen u.a.) sehr genau abgetrennt. Rücklaufdestillen eignen sich zum Herstellen von geschmacklosen Alkohol, nicht jedoch für Schnäpse mit Aroma, hier ist eine "Pot still", also eine einfache Destille, wenn möglich ohne Steigrohr, am besten.
Eintrag Nr. 484
Sehr geehrter Herr Schmickl,
ich habe Beitrag Nr.481 geschrieben und hatte dort erwähnt das ich meine,das die Maische zur herstellung eines Pflaumenschnapses genauso angesetzt wird wie zur Weinherstellung.
Nun habe ich mir bei ihnen Turbohefe bestellt dort wird aber erwähnt das mit dieser Hefe kein zusatz von Hefenährsalz erforderlich ist,ich gehe mal davon aus das dies so stimmt. Gibt es noch mehr zu beachten.Ich habe auch gelesen das der Zucker in drei Etappen zugefügt werden soll,das habe ich bei der Weinbereitung so nicht gemacht,da habe ich immer den Zucker in der nötigen Wassermenge(erhitzt)aufgelöst. Falls es doch noch ein paar unterschiede gibt würde ich mich freuen wenn Sie mir diese mitteilen würden wäre ja schade wenn man gleich beim ersten Versuch die Lust an der ganzen Sache verlieren würde und zu schade um die Destille die dann ja vor sich hin Oxidieren würde:-(
mfg
mr.X
mr.X, Deutschland
12.Feb.2003 21:29:22
Da haben Sie vollkommen Recht! Zuviel Fragen kann niemals schaden.
🙂
1 Turbosäckchen reicht für 100 Liter Maische, wenn Sie alles in ein Faß geben. Wird die Hefe auf mehrere Fässer verteilt, niemals weniger als einen Teelöffel zugeben (daher stehen in der Beschreibung auch zur "Sicherheit" die 50 Liter). Hefenährsalz ist enthalten, daher zusätzlich nicht mehr erforderlich, aber unbedingt Verflüssiger zugeben, weil dieser nicht enthalten ist. pH-Wert kontrollieren, dieser sollte keinesfalls höher als 3,5 sein, notfalls ansäuern. Geben Sie den Zucker gedrittelt zu, eine zu hohe Zuckerkonzentration kann die Hefen zerstören (auch wenn er vorher in Wasser aufgelöst wird). Verwenden Sie möglichst wenig Wasser, es würde nur das Aroma verwässern.
Bezüglich Oxidieren: ich weiß nicht ob's als Witz gemeint war, daher: (Kupfer)Anlagen immer trocken und luftig (also nicht dicht verschlossen) aufbewahren, dann oxidiert gar nichts.
Eintrag Nr. 483
hallo herr dr. schmickl,
ich bekomme aus meiner Anlage (Eigenbau) aus ca. 3,5 Liter wein (9%) nur 0,24 Liter Destillat (52%) wenn ich bis exakt 92°C brenne. Das kommt mir recht wenig vor!? Mein Thermometer zeigt bei der Wasserdestillation genau 100°C, demnach müßte das Thermometer in Ordnung sein. Es bleibt auch nichts im Kühler "liegen". Desweiteren habe ich bis ca. 96°C mindestens 300ml Nachlauf.
Ich kann mich erinnern, daß wir im Lehrgang die gleiche Ausbeute aus 1,5 Liter 11,5%vol Alkohol hatten!
Wo kann der Fehler liegen ? Oder ist die Ausbeute normal?
andre bischoff, Deutschland
09.Feb.2003 16:59:45
Aus 1,5 Liter 11,5%vol Alkohol erhalten Sie ca. 250 ml mit 50%vol. Ihr Wein hat nur 9%vol, daher können Sie mit ca. 200 ml 50%vol Alkohol bei 1,5 Litern rechnen, bei 3,5 Litern also mit 450 ml 50%vol Alkohol. Durch den geringen Alkoholgrad im Ausgangsstoff wird aber nicht 50%vol zu erreichen sein, sondern eher 40%vol. Sie haben ein 52%vol Destillat, ich vermute, daß die Destillation viel zu früh beendet wurde, daher die geringe Ausbeute und der hohe Alkoholgrad. Da Sie sie erst bei 92°C beendet haben, bedeutet dies, daß mit der Temperaturmessung etwas nicht in Ordnung ist. Zeigt das Thermometer genau 100°C mit Wasser, so ist dies zu hoch. Dies können Sie nur bei genau 1 atm Luftdruck und 0 Meter Meereshöhe erreichen. Normalerweise zeigt es bei Wasser ca. 97,5-98°C an. Sie haben also eine gut 2° höhere Anzeige, was für das oben geschilderte Problem ausreicht.
Eintrag Nr. 482
Grüß Gott Herr Dr.Schmickl!
Bin ein ehemaliger Schüler (HTL Maschinenbau Klgft) Ihres Vaters und auch in Karnburg (Dellach) beheimatet, habe meinem Vater zum 60er einen Tischschnapsbrenner gekauft, wie sieht es denn eigentlich rechtlich aus, wieviel darf ich denn schwarz brennen?
Sollte ich/wir uns beim brennen nicht auskennen werde ich Sie natürlich, wenn ich darf kontaktieren!
Vielen Dank Boris G.
Boris Grasser, Himmelberg
07.Feb.2003 07:02:29
Schwarz dürfen Sie natürlich gar nichts brennen. In Österreich ist die anmeldefreie Kesselgröße 2 Liter.
Eintrag Nr. 481
Sehr geehrter Herr Schmickl,
ich habe bei ihnen eine Destille bestellt und das Buch gekauft leider habe ich trotzdem noch ein paar Fragen.
Ich möchte einen Pflaumenschnaps brennen und habe diese gesammelt und eingefroren.Wenn ich es richtig verstanden habe muss ich die Maische genauso ansetzen als würde ich einen Wein herstellen,mit der ausnahme das ich statt einer"normalen Hefe"die Turbohefe benutze.
Wenn dann alles ausgegoren ist muss ich nicht filtern(bis auf die Steine)und kann die "Masse"in den Kessel geben und erhitzen.Nun schreiben Sie in ihrem Buch das Methylalkohol einen Siedepunkt von 64,7°C hat und der Ethylalkohol von 78,5°C.
Heisst das,das der Vorlauf immer in dieser Spanne stattfindet und das ich demnach alles was ab ca.79°C an Destillat "rauskommt"verwenden kann?Muss ich demzufolge die Temperatur so lange wie möglich auf 78,5°C halten um auf Nummer sicher zu gehen?Und ab wieviel Grad beginnt dann der Nachlauf?
Eine menge Fragen dafür das ich ihr Buch gelesen habe,aber ich möchte nicht mit der schwarz gepunkteten Binde rumlaufen ich hoffe Sie können mir helfen.Vielen Dank im voraus.
mfg
mr.X
mr.X, Deutschland
06.Feb.2003 20:43:19
Fragen hat noch nie geschadet!
😉
Bei 79°C siedet nur reiner Ethylalkohol, in der Maische haben Sie aber eine Wasser-Alkohol-Mischung. Je nach Alkoholgehalt siedet diese nun früher oder später (wenn Sie den Siedepunkt der Mischung bestimmen, können Sie damit sogar den Alkoholgehalt berechnen, z.B. beruht das Ebulliometer - Meßgerät zur Bestimmung des Alkoholgehaltes - auf diesem Prinzip). Bei 12%vol Maische kommt der erste Tropfen ca. bei 83°C, bei 45%vol Alkohol kommt der erste Tropfen ca. bei 79,5°C. Kurzum: Sie können die Dampftemperatur nicht konstant halten, sie steigt stetig an, weil Sie den Dampf, der einen höheren Alkoholgehalt als der Kesselinhalt hat, mittels der Kühlung aus dem System entfernen und dadurch nimmt der Alkoholgehalt im Kessel ab, wodurch die Dampftemperatur ansteigt. Würden Sie den Schnaps wieder zurückschütten, bliebe die Dampftemperatur konstant, aber das macht ja keinen Sinn...
Alles was vorher heraustropft ist Vorlauf. Sie haben das Dampfthermometer, heizen Sie zuerst bis ca. 60°C voll auf, dann reduzieren Sie den Brenner auf ca. zwei Drittel der Dochthöhe. Die Temperatur steigt trotzdem rasch an, alles was während dieser Zeit heraustropft ist Vorlauf. Dann bleibt die Temperatur - je nach Alkoholkonzentration - nahezu konstant, hier beginnt der Edelbrand. Der Nachlauf beginnt in der Regel immer bei 91°C, vollkommen unabhängig vom Kesselinhalt.
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