SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

Schnaps selbst herstellen: Dr. Schmickl beantwortet Ihre Fragen zum Herstellen von Schnaps – Maische, Destille, Verdünnen, Geiste, Rezepte…

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Eintrag Nr. 4160
Hallo,
in unserem Apfelbrand-Destillat (60 Vol%) haben sich nach Lagerung im Glasballon nach einigen Monaten weiße Flocken und rötliches flaumartiges ...? gebildet.
Bei den Flocken scheint es sich um Kalkablagerungen zu handeln aber was kann das rötliche sein?
Kann das Destillat verwendet werden?
Vielen Dank für die Antwort,
Michael H.
Michael H., Wien
19.Feb.2016 20:33:17
Haben Sie aus geschmacklichen Gründen eventuell Gewürznelken zur Maische gegeben? Das Gewürznelkenöl fällt nach einiger Zeit im Destillat aus und es entstehen flaumartige, rot-braune Wölkchen im Schnaps, genau so wie Sie es beschreiben. Ist ganz normal, nichts besorgniserregendes, sieht nur unschön aus. Kann daher abfiltriert werden.
Eintrag Nr. 4159
Guten Tag
Kann ich meine 5l Maische in einem 12l Speidel Mostfass gären, oder bekommt die Maische dann zuviel Kontakt mit dem Sauerstoff?
MFG
FS, Schweiz
14.Feb.2016 19:50:42
Doch, das funktioniert. CO2 ist schwerer als Luft, somit füllt sich das Fass beim Gären damit auf und verdrängt die Luft.
Eintrag Nr. 4158
Hallo Hr. Dr. Schmickl
Mich würde interessieren wieviel Liter Gärgas aus 100 Liter Maische enstehen, damit ich die allfällige Gefahr in einem geschlossenen Raum oder Keller abschätzen kann.
Ernst Zumpf, Scheibbs
14.Feb.2016 12:40:43
Das hängt vom Zuckergehalt der Maische, der Alkoholtoleranz der Hefe, dem Vergärungsgrad und der Dichte der Maische ab. Beispeil: Maische hat 5%vol Alkoholgehalt und eine Dichte von 1 kg/l. Gemäß Gärungsgleichung entstehen aus einem kg Zucker 511 g Alkohol und 489 g Kohlendioxid. Somit: 100 Liter 5%'ige Maische enthalten 5 kg Ethanol. Daraus ergibt sich 5 / 511 * 489 = 4,8 kg Kohlendioxid. Anmerkung: die Gärzeit dauert einige Wochen, diese Menge entsteht also nicht alles auf einmal.
Eintrag Nr. 4157
Hallo Dr. Schmickl,
ich möchte einen Gin per Dampfinfusion machen. Wacholderbeeren, Koriandersamen, Angelikawurzel, Zitronenschale und Veilchenwurzel sollen rein. Meine Frage ist: soll ich die Wacholderbeeren und die Koriandersamen, bevor ich sie in mein Sieb tue, irgendwie Mörsern oder kommt auch genug Aroma, wenn ich die ganz lasse?
Danke!
Dennis, Verzogen
10.Feb.2016 11:09:40
Koriandersamen weiß ich nicht, müsste man ausprobieren. Aber Wacholderbeeren keinesfalls mörsern oder anquetschen! Wir haben einmal aus Versehen geschrotete Wacholderbeeren für einen Wacholdergeist benutzt (schmeckt übrigens vorzüglich auch ohne die anderen "botanicals"), das Ergebnis schmeckte sehr harzig, nadelholzartig, vergleichbar mit einem Zirbengeist oder Maiwipferlgeist, überhaupt nicht wie Wacholder.
Anmerkung: in der neuesten, überarbeiteten 11. Auflage unseres Buches finden Sie u.a. auch ein Ginrezept. Diese Geistrezeptur (Dampfinfusion) ergibt einen sehr wohlschmeckenden Gin, wie von vielen Ginliebhabern im Rahmen unserer Seminare sehr oft bestätigt wurde.
Eintrag Nr. 4156
Hallo zusammen,
nachdem ich das Buch vom Dr. gelesen und mir einige Anregungen geholt habe, sind allerdings noch Fragen offen geblieben.
Geist erstellen mit Aromakorb aus Weißwein etc. ist in den ersten Versuchen echt gut gelungen!
Vor ein paar Wochen habe ich noch Haselnüsse (geröstet) und Kaffeebohnen in Wodka angesetzt, diese würde ich jetzt gerne zu einem Geist "umwandeln".
Jetzt die Frage, im Buch ist beschrieben, dass man noch frische geröstete Haselnüsse im Aromakorb legen soll, aber was ist mit dem Angesetztem, muss ich den filtrieren oder reicht es den Angesetzten abzuseihen?
Danke schon mal für die Antwort...
Abdul, Bavaria
01.Feb.2016 10:15:51
Den Angesetzten mit einem Kaffeefilter filtrieren. Die Flüssigkeit verwenden. In den Aromakorb frische geröstete Haselnüsse geben, die "angesoffenen" Haselnüsse z.B. als Dessert genießen.
Eintrag Nr. 4155
Sehr geehrter Dr. Schmickl!
Das Herstellen von Maische und das darauf folgende Destillieren des erzeugten Alkohols fasziniert mich nun schon eine ganze Weile, Ihr Buch "Schnaps brennen als Hobby" hat einen großen Teil dazu beigetragen! 😉
Aktuell hätte ich folgende rechtliche Fragen:
1. Ich interessiere mich für die Herstellung einer "hochgradigen" Maische mittels Turbohefe + Zucker auf Apfelbasis. Ist das Brennen unter Abfindung einer solchen hochgradigen Maische überhaupt rechtlich erlaubt? Habe nämlich schon gehört, dass für ein Abfindungsbrennen lediglich Maischen verwendet werden dürfen, die keine Stoffe beinhalten, die die Alkoholausbeute erhöhen.
2. Wenn ich nun eine Kleindestille (2 - 5 Liter Brennkesselvolumen) erwerbe und beim zuständigen Zollamt anmelde/registriere/genehmigen lasse, wird diese dann "verplombt" oder muss mit regelmäßigen Kontrollen irgendeiner Art rechnen?
3. Muss ich etwas beachten, wenn ich Maische aus Obst brenne, das nicht von eigenen Obstbäumen stammt?
PS: Als "Einsteiger" in dieses Handwerk finde Ihr Buch sehr gut geschrieben, alles super erklärt! 🙂
Vielen Dank für Ihre Hilfe!
LG Patrick
Patrick, OÖ
27.Jän.2016 22:08:26
Danke, das freut uns!
ad 1) kurzum nein, da sonst die Berechnungsgrundlage für die Alkoholsteuer nicht mehr stimmt. Schließlich wird bei einem Abfindungsbrenner (im Gegensatz zu Verschlussbrennereien) nirgends mit einer zollamtlich genehmigten Messeinrichtung automatisiert und lückenlos der Alkoholgehalt und die Menge vom Destillat gemessen. Daher ist "die Zugabe von alkoholbildenden Substanzen" verboten.
ad 2) Nein, normalerweise nicht. Jedoch ist die Behörde dazu befugt Brennanlagen zwischen den gemeldeten Brennzeiten zu plombieren und jederzeit Kontrollen durchzuführen.
ad 3) Ja, Abfindungsbrennern ist dies verboten, diese dürfen nur eigenes Obst verarbeiten.
Nochmals danke! 🙂
Eintrag Nr. 4154
Liebe Gemeinde,
Zusatzinfo auf die Antwort zum Eintrag Nr. 3557:
Tipps zur Rehydrierungstemperatur bei Trockenhefe
"Wie im Buch beschrieben: Hefe überlebt nur bis max. 27°C. Bei 30 bis 35°C oder sogar 38°C bringen Sie die Hefe um, Sie hatten somit vermutlich eine Fehlgärung. Daher Hefe zugeben wenn Zucker-Lösung 24°C oder besser kälter ist. Steht auch auf der Packung der Hefe."

Info:
Rehydrierung von Lalvin EC 1118
Empfohlene Rehydrierungstemperatur 38° C bewirkt einen Heat Schock der Enzym und Lebenstätigkeit startet!
Quelle:
Ing. Wolfgang Renner
Landwirtschaftliches Versuchszentrum Haidegg, 8047 Graz
AlexB, MittelEuropa
27.Jän.2016 13:14:14
Vielen Dank für den Tipp, man lernt nie aus!
Auf der Turbohefepackung steht folgendes: "Make sure the temperature is below 30°C (86°F) then add the sachet of yeast."
Eintrag Nr. 4153
Hallo zusammen
Ich möchte mir aus 2 Milchkanne à 2l eine Destille bauen. Eine zum Kochen, eine zum Kühlen. Klimarohr 10mm cu hab ich für die Kühlschlange in 2m Länge.
Wie baue ich den Deckel und was ist ein "Geistrohr"?
Danke für Antworten
Mike
PS : wer mag, Fotos der Kannen sind vorhanden.
Mikntif, Erftkreis/ NRW
25.Jän.2016 21:55:42
Wie Sie den Deckel bauen fragen Sie am besten in der Diskussion nach, dort tummeln sich zahllose Bastler von Selbstbauanlagen die Ihnen sicher gute Tipps geben können.
Die Beschreibung eines Geistrohres und anderer Anlagenkomponenten finden Sie gut bebildert in unserem Buch "Schnapsbrennen als Hobby".
Eintrag Nr. 4152
Hallo Herr Schmickl!
Vor 4 Jahren habe ich mit dem besonderen Hobby, mit Anleitung Ihres wunderbaren Buches begonnen.
Vorher habe ich schon viele Jahre Obst zu Wein verarbeitet. Meine Birnenmaische hat mit der Turbo-Hefe immer nur 15% geschafft. Die Maische war ausgezeichnet und leicht süß. Jetzt im 4. Jahr schmeckt der fertige Brand mit67% sehr brennig und nicht fruchtig, wie gewohnt. Die ersten 3 Jahre kam der Fruchtgeschmack sehr gut. Da habe ich die Temperatur von 82°C ganz langsam gradweise erhöht, bis zum Nachlauf. Dieses Mal habe ich die Temperatur mit Beginn des Edelbrandes auf 89°C erhöht. Mit Beginn des Edelbrandes war noch ein fruchtiger Geschmack da. Was habe ich falsch gemacht? Vielen Dank im Voraus.
Kurt, Sachsen
22.Jän.2016 13:45:49
Am besten genau so vorgehen wie in den Jahren davor auch. Leider verstehe ich Ihre Angaben nicht. Die Dampftemperatur ergibt sich von selbst wenn der Kesselinhalt kocht, sie kann nicht erhöht werden. Das wäre so als würde man Wasser kochen und wollte dabei die Dampftemperatur erhöhen. Wasser kocht immer bei 100°C (bei 1 atm), egal wie stark die Heizleistung ist. Die Heizleistung entscheidet nur darüber wie stark das Wasser kocht. Beim Schnapsbrennen gibt es jedoch einen Unterschied zu Wasser: da der Alkoholgehalt beim Destillieren immer geringer wird, steigt damit die Kochtemperatur langsam immer mehr an. Aber auch hier: die Heizleistung beeinflusst lediglich wie stark der Kesselinhalt kocht, nicht die Kochtemperatur.
Eintrag Nr. 4151
Hallo Herr Schmickl,
habe im Herbst das erste mal Birnen eingemaischt. Gärung schnell und toll, alles bisher in Ordnung, die Maische ruhte und der Kuchen sank auch langsam ab. Da man nun Birne in der abklingenden Gärung brennen sollte habe ich es heute einmal probiert: die Konsistenz der Maische ist klar, riecht sehr aromatisch, ist allerdings etwas klebrig oder schleimig. Beim Brennen entwickelt sich Schaum ohne Ende dass es selbst bei halb voller Blase noch Schaum durch's Steigrohr/Kühler drückt.
Ich habe abgebrochen und will nun die Maische noch etwas ruhen lassen, kann es sein dass die Gärung noch nicht fertig ist. Können sie mir helfen?
Vielen Dank.
emanull, Alpen
18.Jän.2016 17:16:34
Stimmt, Gärung noch nicht ganz abgeschlossen, nur hochgradige Maischen können gelagert werden ohne dass Fehlgeschmäcker auftreten. Um das Schäumen zu verhindern wird der Maische Anti-Schaum, eine Emulsion auf Silikonölbasis, zugegeben.
Eintrag Nr. 4150
Ich möchte nussschnaps brennen.Bei 10 ltr Alkohol wieviel Hasselnüsse , wie lange dürfen sie im alkohol liegen,( vorher zerkleinern und mit zucker anschwenken)dann inder destille brennen.
vielen Dank für diec Antwort W.Nickel
Willi, hessen
10.Jän.2016 21:15:39
Dies ist sehr ausführlich und für Laien leicht verständlich im Buch beschrieben.
Eintrag Nr. 4149
Hallo liebe Schnapsbrenner
Ein Freund von mir ist Schnapsbrenner (meiner Meinung ein Guter) er möchte auch öfters die Vogelbeere verarbeiten, aber dazu muss man ja die Beere von der Traube trennen.
Und das ist die Schwierige Sache.
Könnte uns jemand sagen oder E-Mailen ob es eine Maschine gibt oder wie so etwas aussieht. Vielleicht könnte man diese auch selber bauen odg.
Bitte Info LG DANKE
Huber Hans, Göming
10.Jän.2016 10:28:21
Stimmt Vogelbeeren abrebeln ist sehr mühsam, deswegen ist der Schnaps auch so teuer. Gerät: Abrebel-Rechen so ähnlich wie für Schwarzbeeren (Heidelbeeren).
Eintrag Nr. 4148
Sehr geehrte Frau Malle, sehr geehrter Herr Schmickl
alles was ich nach den Anleitungen in Ihrem Buch produziert habe ist hervorragend gelungen,einfach genial. Meine Fragen: Ich habe je ca. 2.5l Destillat von Äpfeln und Weintrauben, beide etwas über 60 Vol%.Wenn ich Eichenspäne für einen Calvados verwenden möchte, soll ich den Brand zuerst auf Trinkstärke verdünnen oder zuerst die Eichenspäne dazugeben? Zur Eiche: Weisseiche (Quercus robur),Steineiche (Quercus ilex) und Korkeiche (Quercus suber) zur Verfügung. Ist frisches, grünes Holz besser oder getrocknetes
Ich freue mich auf Ihre Antwort
Stephan Hauser
Stephan Hauser, Toscana Italien
07.Jän.2016 21:48:16
Super, danke, das freut uns!
Beides ist möglich, verdünnt oder unverdünnt. Da es sich um Chips handelt und ein dichtes Glasgefäß, kann auch nichts durch eine Holzwand hindurch verdunsten. Geschmacklich wird der Unverdünnte bei gleicher Ziehdauer und Chipsmenge ein wenig intensiver werden, jedoch heißt das nicht automatisch auch besser im Geschmack. Es ist nicht schwer einem Schnaps einen Holzgeschmack zu verpassen, es ist aber eine Kunst bei Obstbränden die Harmonie zwischen Fruchtgeschmack und Holzton zu finden. Dafür gibt's keine festen Regeln, ist Erfahrungssache, mit kleinen Mengen mehrere Tests durchführen.
Getrocknetes Holz ist am sinnvollsten, frisches Holz schmeckt auch "grün, frisch". Wenn alle drei Holzsorten zur Verfügung, würde ich auch alle drei ausprobieren. Einige Chips-Hersteller empfehlen die Chips vorher in Wasser auszukochen. Vielleicht ist es auch eine Idee die Chips vorher in Rotwein einzuweichen. Oder Chips anrösten. So viele Variablen...
Eintrag Nr. 4147
Sehr geehrter Herr Schmickl,
ich habe ihr Buch studiert und zahlreiche Antworten auf die Fachfragen durchgelesen. Bei der Gin Herstellung sind Sie ja eher ein Fan der Geistvariante im Gegensatz zur Mazeration-Destillationsvariante. Ich persönlich finde das Geistverfahren auch spannender bzgl. der feiner abgrenzbaren Aromen.
Nun denn habe ich einige Diskussionspunkte zur Gin Herstellung im Geistverfahren:
1. Sie raten beim Geisten immer zu einem recht niedrigen Alkoholgehalt im Kessel (10-12%) und begründen dies mit einer kürzeren Destillationsdauer (bei einer klassischen Pot-Destille und grundsätzlichem Nachlaufbeginn bei 91 Grad), die die Aromen schonender und ohne Unerwünschtes extrahiert. Dazu meine Fragen:
1. a. Um die Destillationsdauer so kurz wie möglich zu halten müsste man dann ja auch mit voller Leistung beheizen oder?
Der niedrige Alkoholanteil von 10-12% im Vergleich zu bspw. 30-40% (zur Destillations verdünntes Mazerat) hat neben der Destillationsdauer ja auch noch zwei weitere Effekte. Die Dampftemperatur des Mittellaufs ist höher und der Alkoholanteil im Dampf ist niedriger (siehe http://homedistiller.org/theory/theory/strong ):
1. b. Die höhere Dampftemperatur erscheint aber weniger Aromaschonend, was ein Argument für einen höheren Alkoholgehalt im Kessel wäre?
1. c. Welche Rolle spielt der Wasser-/Alkoholgehalt des Dampfes bei der Vergeistung und Aromaschonung/Sollte man nicht auf ein höherprozentiges Destillat abzielen, um nur die alkohollöslichen Aromen zu erwischen und nicht die wasserlöslichen Öle in Rauen Mengen zu bekommen? London Dry Gin schreibt ja auch mind. 70% vol. für das Destillat vor...
2. Ich habe nun die Möglichkeit mit einer Destille zu arbeiten, die eine Kolonne mit 3 Böden und Refluxdephlegmator hat (einzeln steuerbar) und den Dampfstrom erst danach über die Gin-Zutaten leitet. Dies ermöglicht mir nun eine sehr genaue Steuerung des Dampfes (Alkoholgehalt, Temperatur), der über die Botanicals geleitet wird. Vor allem natürlich in die Richtung niedrige Temperatur und höherer Alkoholgehalt des Dampfes. Wie sehen Sie die technischen Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben für die Gin-Vergeistung bzw. welche Erfahrungen haben Sie in dieser Hinsicht?

Mein Ziel ist es mit diesen ganzen Optionen den optimalen Weg zu finden 😉 Daher freue ich mich auf eine interessante Diskussion und danke Ihnen schon einmal herzlich für Ihre Hilfe!
Martin Klein, Nomensland
07.Jän.2016 11:08:17
ad 1a) Nein, wenn bei einer 2-Liter-Anlage das Destillat schnell tropfend den Kühler verlässt, dauert es bei 45%vol Alkohol im Kessel viel länger bis der Nachlauf beginnt (der Alkohol sich also entsprechend abgebaut hat) als bei 12%vol. Zur Anmerkung: stimmt genau!
ad 1b) Solange der Nachlauf noch nicht erreicht ist, ist das geschmacklich überhaupt kein Problem. Oder anders formuliert: bei 12%vol steigt die Temperatur bis zum Nachlauf schneller an als bei 45%vol, jedoch handelt es sich in beiden Fällen um den selben Temperaturbereich, abgesehen davon, dass der erste Tropfen bei 45%vol bei einer niedrigeren Temperatur heraus kommt.
ad 1c) Öl ist nicht wirklich wasserlöslich... Bei der ätherischen Ölherstellung scheidet sich das Öl oberhalb vom Destillat (Hydrolat) ab, da wird nur mit Wasser bzw. Wasserdampf gearbeitet. Eher umgekehrt: bei hochprozentigem Alkohol handelt es sich streng genommen um eine Lösemittelextraktion, dabei werden viel mehr (auch unerwünschte) leicht flüchtige Substanzen freigesetzt als mit reinem Wasser. Daher werden ätherische Öle für medizinische Anwendungen und für die Aromatherapie auschließlich Wasserdampfdestilliert, ätherische Öle aus Lösemittelextraktion sind für solche Anwendungen verpönt!
ad 2) Mich stellt sich hier die Frage wozu 3 Böden und Reflux. Wenn Sie mit einer Pot-still arbeiten und entsprechend hochprozentigen, sauberen (!) Alkohol in den Kessel geben, hat der Dampfstrom den gleichen Alkoholgehalt wenn er durch das Pflanzenmaterial strömt, wie wenn das Material in den Dampfstrom NACH der Kolonne gegeben wird. Natürlich kann man so oder so arbeiten, wenn der Alkoholgehalt im Dampf in beiden Fällen der gleiche ist. Nach dem Motto wozu einfach wenn's kompliziert auch geht? Nein, das war jetzt nicht ganz ernst gemeint, natürlich ist es im industriellen Maßstab sinnvoller und billiger eine Kolonnenanlage mit niedrig-prozentigem Alkohol zu befüllen als eine Pot-still mit (sauteurem) Hochprozentigen.
Mein Tipp: herumtheoretisieren ist zwar ganz lustig, am sinnvollsten ist es jedoch beides auszuprobieren, also Pot-still mit 12%vol und Kolonnen-destille mit allem-was-geht, also beide Extremfälle. Danach dann erst Mischformen, z.B. Pot-still mit 45%vol befüllen oder bei Kolonne nicht alle Böden benutzen usw. Genau so haben das die Engländer vor hunderten Jahren auch gemacht, als plötzlich der Import vom holländischem Genever aus steuerlichen Gründen verboten wurde. Dann sind einige auf die Idee gekommen zu den Wacholderbeeren auch noch andere Gewürze zu geben und so ist der Gin erst entstanden.
Eintrag Nr. 4146
Hallo Herr Schmickl,
ich habe Ihr Buch gekauft und gelesen und finde es wirklich ausgezeichnet. Nun habe ich eine Frage zum Vorlauf. In einigen amerikanischen E-Books zum Thema Moonshine (The art of making Moonshine; The home distiller's workbook) finde ich immer die Begriffe "Foreshots" und "Heads". Ich denke, diese Begriffe werden wohl unserem "Vorlauf" entsprechen. Mich irritiert nur, dass die Menge an zu entsorgendem "Heads" viel grösser ist als die Menge an zu entsorgendem "Vorlauf".
Sie schreiben in Ihrem Buch, dass der Vorlauf bei einer 5 Liter Anlage maximal den Boden eines Schnapsglases bedecken soll. Die Moonshiner sprechen von fast 30% Foreshots und Heads. Woher kommt dieser Unterschied?
Bis jetzt habe ich nach Ihren Anweisungen getrennt und hatte immer ein Edelbrand von 55-60% (und ich hatte nie Kopfschmerzen :-). Ist das bei Whiskey/Moonshine anders?
MfG
Max Strempel
Max, Barcelona
06.Jän.2016 13:13:28
Danke, das freut uns!
Erstens werden darin sicher keine Obstmaischen beschrieben, sondern Maischen aus Stärkeprodukten, die haben teilweise viel mehr Vorlauf und zweitens gilt das Boden-bedeckte-Schnapsglas NUR für entsprechend lange gelagerte, hochgradige Maischen (herkömmliche Obstmaischen haben um ein Vielfaches mehr Vorlauf). Hochgradige Obstmaischen finden Sie in keinem amerikanischen Buch. Außer, jetzt ganz neu... unser Schnapsbuch ist jetzt bei einem US-Verlag in Englisch erschienen! 🙂 Titel: "The Artisan’s Guide To Crafting Distilled Spirits" ISBN: 978-1943015047
Ihre bisherige Abtrennung war somit vollkommen in Ordnung, sofern hochgradige Maische.
Eintrag Nr. 4145
hallo zusammen
ich habe mitte dez. 70liter whiskymaische angesetzt. jetzt habe ich immer noch kein alkoholgehalt, trotz der turbohefe... was habe ich falsch gemacht. gärtemperatur 20grad
gruss
Remo Zweifel, schweiz
04.Jän.2016 13:09:15
Zuerst die Frage ob es tatsächlich nicht gärt: Maische umrühren und vorsichtig riechen. Ist ein sehr stechend scharfer Geruch nach Kohlensäure bemerkbar, gärt es. Außerdem schäumt dann die Maische beim Umrühren. Oder ganz leise sein und ins offenen Fass reinhören. Ist ein (sehr) leises Knistern hörbar, gärt es ebenfalls.
Falls es tatsächlich nicht gärt, zwei Möglichkeiten: Hefe war nicht in Ordnung oder es ist kein Zucker in der Maische enthalten. Damit meine ich nicht unbedingt, dass Sie Zucker zugeben sollten, sondern dass z.B. die Stärke nicht in Alkohol umgewandelt wurde, der Einmalzprozess also nicht funktioniert hat. Ob Zucker enthalten ist oder nicht können Sie ganz einfach schmecken oder Zuckermessung, z.B. mit Oechslewaage oder Schnelltest. Wenn Zucker enthalten, wieder Hefe zugeben, aber diesmal in Form eines Gärstarters: z.B. 1 oder 2 Liter Tetrapack-Apfelsaft, Hefe dazu, zwei/drei Tage gären lassen, dann die gärende Mischung der Maische zugeben.
Eintrag Nr. 4144
Hallo Hr Dr. Schmickl
Zunächst wünsche ich ein Xundes Neues Jahr. Habe Ihr Buch schon seit einigen Jahren und auch schon einige Schnäpse erfolgreich angesetzt (Quitte, Apfel, Zwetschge) die ich in einer Abfindungsbrennerei habe brennen lassen. Die Ergebnsse waren immer gut bis sehr gut. Jetzt ist mir aber ein peinlicher Lapsus passiert, ich hätte das Buch mal wieder ganz von vorne lesen sollen, bevor ich die Quitten-Maische ansetzte (nach 3 Jahren ohne Ernte). Um sicherzustellen, dass die Maische ja nicht verdirbt habe ich geschwefelt (saublöd, mit Kaliumpyrosulfit K2S2O5). Der pH-Wert war auch im Keller, ich habe den dann mit Natron-Pulver nach 3,5 korrigiert. Gärung habe ich nachgestartet und die ist jetzt abgeschlossen. Maische riecht eigentlich soweit gut.
In den Fachfragen habe ich 2 Lösungsansätze gefunden, den Schwefel loszuwerden.
1. Mit Wassertsoffperoxid vor den Brennen
2. Durch Austreiben nach dem Brennen.
Welche Lösung würden Sie empfehlen?
Danke und Gruß
Peter S.
Peter S., Franke
01.Jän.2016 20:22:35
Danke, wünschen wir Ihnen ebenfalls!
Soweit ich verstanden habe, hat die Maische NACH dem Schwefeln noch einmal begonnen zu gären. In diesem Fall war die Zugabe des Pyrosulfits zu gering um einen Effekt zu haben. Somit destillieren wie sonst auch. Sollte das Destillat dennoch stechend scharf riechen, mit einem Milchaufschäumer oder Pürierstab ca. 2 bis 3 min je Liter schäumend mixen beim Verdünnen. Diese Prozedur treibt die schweflige Säure aus dem Destillat.
Eintrag Nr. 4143
hallo ich habe eine frage kann man eine fertige maische mit wasser verdünnen wenn ich für denn brennvorgang zu wenig maische habe
danke
christian schmid, oö
28.Dez.2015 20:02:37
Ja, ist aber nicht sinnvoll, weil dadurch der Alkoholgehalt verringert wird. Es muss dann gegebenenfalls öfter destilliert werden als sonst. Besser eine Wasser-Alkohol-Mischung zugeben die ca. den gleichen Alkoholgehalt wie Maische hat. Ob Sie das rechtlich tun dürfen (Fremdalkohol zugeben) müssen Sie vorher abklären.
Eintrag Nr. 4142
Hallo,
ich habe mir vor einer Woche das Buch Schnapsbrenne als Hobby gekauft und es komplett gelesen.
Ich habe jedoch noch eine Frage zum Vorlauf.
Wenn ich einen reinen Alkohol nur aus Turbohefe und Zuckerwasser herstelle und damit einen Geist destillieren möchte, müsste ich mir doch um einen Vorlauf keine sorgen machen, richtig?
Bzw. wenn ich mit diesem reinen Alkohol einen Angesetzten herstelle und diesen destilliere kann im Bezug auf einen Vorlauf ebenfalls nichts passieren, da dieser ja nur durch Verunreinigungen in der Maische selbst entstehen kann?!
Somit müsste ja direkt der "Edelbrand" aus dem Kühler laufen, oder?
Michael Schwarz, NRW-Deutschland
24.Dez.2015 11:08:33
ja, das stimmt, Vorlauf entsteht bei Vergärung von Obst.
Eintrag Nr. 4141
Hallo Herr Schmickl, das Ihr Forum und Ihr Buch 1a ist habe ich schon im Eintrag 4134 erwähnt, aber man kann es nicht genug loben. Wenn ich eine Maische habe die schön lange gereift ist und sich alles auf dem Boden abgesetzt hat, muss ich die vor dem Brennen ersteinmal gut durchmischen, damit ich auch den Aromavollen Fruchtmus in der Destille habe ???? im Voraus vielen Dank und besinnliche Weihnachten bei einem leckeren Tröpfchen 🙂
Blackburn, NRW
15.Dez.2015 12:24:06
Danke nochmals, sorry für die späte Beantwortung... 🙁
Ja, durchmischen, eine dünne Schicht Hefeschlamm bleibt am Boden kleben, die kann im Fass bleiben.
Wir behalten uns das Recht vor, jederzeit Einträge ohne Angabe von Gründen zu löschen.

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