SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

SCHNAPS SELBST HERSTELLEN Fachfragen für Hobbybrenner

Schnaps selbst herstellen: Dr. Schmickl beantwortet Ihre Fragen zum Herstellen von Schnaps – Maische, Destille, Verdünnen, Geiste, Rezepte…

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Eintrag Nr. 3420
Hallo,
habe letzte Woche im Wohnhaus meiner Eltern, jetzt eine größere Menge Schnaps gefunden (beide sind verstorben, mein Vater im Oktober 2008). In einer Korbflasche ca. 25 ltr. Diese Korbflasche war mit einem Kork verschlossen, der jedoch meines Erachtens nicht mehr ganz dicht war. Wann der Schnaps, gebrannt wurde ist mir leider nicht bekannt, aber mindestens vor 5 - 10 Jahren. Es könnte Obst oder Zwetschgenschnaps sein.
Meine Fragen:
Ist der Schnaps noch gut (man sagt, je älter je besser).
Wie kann ich feststellen wieviel % Alkohol er hat?
Ist es Obst oder Zwetschgenschnaps?
Kann ich den Schnaps bedenkenlos in ltr.- Flaschen abfüllen?
Kann ich auch das Brenndatum ermitteln?
Für Antworten wäre ich dankbar.
Gruss aus dem Unterland
Specht, Unterland
08.Jul.2010 12:41:58
So werden mit ein wenig Glück manchmal echte Schätze "geborgen", oft ist jedoch der nostalgische Wert weit höher...
- Dass während der Lagerzeit der Verschluss nicht absolut luftdicht war, wirkt sich qualitativ durchaus positiv aus. Natürlich sollte der Alkohol nicht in größeren Mengen verdunsten (ist leicht zu bemerken, weil die Flasche dann halbleer).
- Stimmt, je älter desto besser.
- Messen mit einem Aräometer (Alkoholometer)
- Nur am Geschmack erkennbar, am besten im Handel die vermutete Sorte kaufen und verkosten. Am besten blind, mehrere Personen.
- Ja
- Nein, ist mir zumindest nicht bekannt.
Eintrag Nr. 3419
Holunderbrand, hochprozentige Maische, niedrige Ausbeute
Aus aufgezuckertem Holundermuttersaft (6l) habe ich nach dem Brennen einen Edelbrand von ca. 65% Zuckerzugabe zusätzlich 1,5kg), die erreichte Menge ca. 420ml. Das ist, wenn man in entsprechenden Tabellen schaut, sehr sehr wenig. Der Brand ist in der Qualität exellent, aber die Ausbeute ernüchternd. Trenne ich zu extrem ab? (Vorlauf ca. 10-20ml, von 79-91°C 420ml, Rest wird verworfen) Kann das an der Brennereianlage liegen (2l Anlage, Temperaturfühler exakt Höhe Geistrohreingang positioniert).
Vielen Dank für eure Unterstützung
Spassbrenner, Bodensee
08.Jul.2010 11:37:22
1,5 kg Zucker je 6 Liter, also 250 g/l, ergibt lt. Zucker-Alkohol-Rechner 12,8%vol. Dies sind 6 / 100 * 12,8 = ca. 770 ml reiner hundertprozentiger Alkohol. Umgerechnet auf 65%vol: 770 / 65 * 100 = ca. 1,2 Liter 65%vol Alkohol.
Mit (sehr) großzügiger Nachlaufberücksichtigung sollte die Ausbeute ca. 600-800 ml (ebenfalls mit 65%vol) betragen.
Anscheinend wurde also der zugegebene Zucker nicht vollständig vergoren (schmeckt die Maische süß?). Dies kann viele Gründe haben, z.B. war die Alkoholresistenz der verwendeten Hefe zu gering, oder Gärstopp wegen zu hoher/niedriger Temperatur, für die verwendete Hefe war der Zuckergehalt zu hoch usw. Was es genau war lässt sich so leider nicht mehr nachvollziehen.
Unabhängig davon sind 65%vol im Brand bei ca. 12%vol Alkoholgehalt in der Maische eindeutig zu hoch, sollte bei einer pot-still ca. 50-55%vol sein. Dies kann auch mehrere Gründe haben, Anlagenkonstruktion, der Kessel war zu wenig befüllt, falsche Temperaturmessstelle usw. Wenn der Kessel zu wenig befüllt ist, ergibt sich ein sehr großer Dampfraum, erhebliche Verluste und ein unerwünschter Rektifikationseffekt sind die Folge. Genau wie bei Ihnen. Daher tippe ich mal darauf, dass dies der Grund dafür ist. Kessel nie weniger als ca. 3/4 befüllen. Sollte dies nicht die Ursache sein, sollten Sie Ihr Thermometer "eichen": Kessel mit 12%vol befüllen (am besten einen entsprechend verdünnten, im Laden gekauften Schnaps einfüllen, da dann auch der Alkoholgehalt tatsächlich 12%vol beträgt) und destillieren bis das (gesamte!) Destillat ca. 53%vol hat. Dann die Dampftemperatur notieren, dies ist Ihr Wert für den Nachlaufbeginn.
Eintrag Nr. 3418
Sehr geehrter Dr. Schmickl,
in ihrem Buch schrieben Sie, dass eine mit Turbohefe vergorene Zuckermaische nach Abschluss der Gärung noch mindestens 4 Monate gelagert werden muss, um den Hefengeschmack zu minimieren. Welche Chemischen Reaktionen gehen da vonstatten und wie lassen sie sich beschleunigen (Wärme, Kälte, Sonnenlicht, Aktivkohle, offene Lagerung der Maische)? Läuft diese Reaktion auch noch im Destilat ab?
vielen Dank im Voraus
Henry H.
Henry Hellmich, Dresden
06.Jul.2010 19:00:34
Zur Erinnerung: dieser Geschmacksfehler tritt immer auf wenn zu früh gebrannt wird, egal welche Hefe Sie verwenden. Daher sollten prinzipiell immer alle Maischen im ausgegorenen Zustand gelagert werden. ABER: alles unter 16%vol Alkoholgehalt ist nicht lagerfähig, Schimmel, Fäulnis, Essigbildung usw. sind die Folge. Um dies zu vermeiden sollten solche Maischen maximal 1-2 Monate im (kühlen) Keller gelagert werden vor dem Brennen. Aus genannten Gründen jedoch keinesfalls länger. Auch wenn an einer zu lange gelagerten Maische nichts Auffälliges zu bemerken ist, hat der Brand immer einen "modrigen" Geschmacksfehler.
Warum dann überhaupt lagern? Genauso wie bei der Lagerung des Destillates finden in dieser Zeit Veresterungsprozesse statt, durch die gebildeten Ester wird der Geschmack vollmundiger, fruchtiger, aromatischer. Weiters baut sich mit der Zeit der (leicht süßliche) Hefegeschmack ab (daher ist auch ein Zucker/Wasser-Brand ohne Aktivkohlebehandlung nicht geschmacklos, wenn er zu früh gebrannt wird).
Hochgradige Maischen haben dieses Problem jedoch nicht, bei diesen wirkt der hohe Alkoholgehalt wie ein Konservierungsmittel, sie können jahrelang gelagert werden, werden mit der Zeit auch immer besser, wie gute Weine. Daher solche Maischen zumindest 4 Monate im ausgegorenen Zustand lagern.
Destillate lagern, damit sich der "sprittige" Geschmack abbaut, der typisch ist für jeden frisch destillierten Brand. Genau aus diesem Grund werden professionell hergestellte Brände auch immer zumindest 2 Jahre gelagert, bevor sie in den Verkauf kommen.
Künstliche Alterung: Luftkontakt. Wie hier in den Fachfragen inzwischen sehr oft beschrieben, dazu den Brand beim Verdünnen schäumend mixen, nicht luftdicht lagern usw. (--> Suchfunktion nutzen). Prinzipiell gilt das natürlich auch für die Maische, allerdings haben wir diesbezüglich keine Erfahrungswerte, weil noch nie ausprobiert.
Eintrag Nr. 3417
Hallo Herr Dr. Schmickl
Vielen Dank für die sehr informative Webseite.
Im laufe der kommenden Woche werde ich ihr Buch bestellen für weitere Details.
Ich möchte mir eine Destille selberbauen da hier importe mit hohen Kosten und viel undurchsichtiger Bürokratie verbunden sind.
Meine Frage richtet sich zum Bereich Kessel. Wäre es möglich diesen zu mit feuerfesten Material zu Isolieren um Energie verluste durch abwärme einzusparen? bin dazu leider nicht fündig geworden.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Kreuzer, Lima/Peru
05.Jul.2010 00:24:44
Danke, das freut uns!
Ja, das ist möglich, z.B. mit Glaswolle o.ä. Ist normalerweise jedoch nicht notwendig und wenn, dann nur bei großem Kesselvolumen (>100 Liter).
Eintrag Nr. 3416
Hallo Herr Dr. Schmickl, macht es eigentlich einen Unterschied ob ich Pflaumen-/Birnenmaische 20%vol. längere Zeit lagere oder den Brand in einem Glasbehälter mit viel Luftkontakt, um den Schnaps zu verbessern? Meine Maischen sind jetzt ca. 9 Monate alt. Nach erstem brennversuch nach 6 Monaten und 3 Monatiger Destillatlagerung könnte der Schnaps unserem Geschmack nach noch weicher sein.
Destillat oder Maische Lagern (Qualität ist mir wichtiger als Zeit)?

Mit Freundlichen Grüßen
Benjamin
Benjamin Schmerer, Hessen
01.Jul.2010 13:24:21
Beides ist sehr wichtig. Professionelle Hersteller lagern ihre Brände üblicherweise zumindest 2 Jahre bevor sie verkauft werden. Sie können jedoch auch die in Fachfrage 3376 beschriebenen Methoden anwenden.
Eintrag Nr. 3415
Hallo,
kann mir jemand folgende Frage beantworten?
Wie nennt man die mehrfache Destillation in einem Brennvorgang, wenn man Rauhbrand und Feinbrand in einem Arbeitsgang destilliert?
jan, Deutschland
30.Jun.2010 10:20:45
Rektifikation
Eintrag Nr. 3414
wie kann mann einen Ansatz Destillieren ohne das man Fette oder Öle ins endprodukt bekommt?
Ich brauche das um Geschmackstoffen für mein eigenes bier herzustellen.
Stan, Niederlande
29.Jun.2010 12:23:13
Ja, das funktioniert. Weder Fette noch fette Öle werden beim Schnapsbrennen mitdestilliert. Ätherische Öle jedoch schon, weil diese flüchtig sind.
Eintrag Nr. 3413
habe eine brennanlage classic von ihnen mit 2 liter kessel. wie hoch ist der 5 liter kessel zwecks anderen brenner.
bin sehr zufrieden mit der anlage und das buch ist natürlich für einen anfänger einfach klasse.
weiter so und alles gute aus sachsen.
gummihofi, irgendwo
28.Jun.2010 12:09:07
Der Unterschied entspricht der Höhe des Brenner-Untersatzes, welcher bei der 5-Liter-Variante entfällt.
Danke, das freut uns! Weiterhin viel Erfolg!
Eintrag Nr. 3412
Hallo Hr Dr.
Ich lese mir diese Rubrick über Fachfragen immer wieder gerne durch, und bin immer wieder auf Zuckerzugabe gestoßen. Ich gebe weder Zucker, Hefe oder sonstige zugaben hinzu, eventuell etwas warmes Wasser zum frisch eingemaischten (Kirsche, Apfel) und erziele immer hervorragende Qualität. Oder gibt es irgendwelche Günde warum man etwas beigeben sollte (möchte gerne alles seinen natürlichen lauf lassen)
mfg im vorraus
Michael
Michael, Österreich
27.Jun.2010 11:20:57
Anscheinend kennen Sie das Buch "Schnapsbrennen als Hobby" noch nicht, sonst würden Sie diese Frage nicht stellen. Darin ist z.B. ein qualitativer Vergleich zwischen einem Brand aus wildvergorener Maische und einer sauber vergorenen Maische ausführlich beschrieben. Die ebenfalls beschriebenen und fotografisch dokumentierten Ergebnisse der jeweiligen Vorlauftests sprechen für sich.
Wenn Sie weder Hefe zugeben noch unter Säureschutz die Gärung durchführen (wobei hier noch gar nicht die hochgradige Maische mit Zuckerzusatz gemeint ist), sind Fehlgärungen unvermeidlich. Zwar ist ein Brand aus einer Wildgärung mit korrekter Vorlaufabtrennung zumindest nicht mehr giftig, dennoch sind solche Schnäpse immer eindeutig an ihrem typischen Essigstich erkennbar. Sie werden diesen Geruchs- und Geschmacksfehler nicht mehr bemerken, weil Sie sich inzwischen daran gewöhnt haben. Das ist kein Witz, in solchen Fällen bemerken Sie den Unterschied nur noch bei einem direkten Vergleichstest zwischen Ihrem Ergebnis und einem makellosen Brand (erhältlich im oberen Preissegment jeder besseren Spirituosenhandlung).
Tipp: Buch lesen, Maische wie dort beschrieben ansetzen, brennen und mit Ihren bisherigen Ergebnissen vergleichen. Muss vorerst ja nicht unbedingt hochgradig sein, obwohl diese Methode in Vergleich zur herkömmlichen Variante aus qualitativer Sicht unverkennbar die Bessere ist. Erzeugnisse aus Wildgärungen sind mit Abstand die qualitativ minderwertigsten.
Anm. 1: auch wenn Sie unter Hefezugabe und Säureschutz die Gärung durchführen, ist es ein ganz natürlicher Vorgang, kein künstlicher oder synthetischer.
Anm. 2: in einem Komposthaufen entwickeln sich die jeweiligen Fermentationsprozesse, darunter auch die alkoholische Gärung, ebenfalls entsprechend "ihres natürlichen Laufes" und dennoch kommt niemand auf die Idee daraus einen Wein/Schnaps herzustellen. Warum?
Anm. 3: in "der guten alten Zeit" wurden Weine (aus Weintrauben) oft auch ohne Reinzuchthefe, Säureschutz usw. hergestellt. Solche Weine sind in Südost-Österreich unter dem Namen "Heckenklescher" (= in die Hecke krachen) bekannt, der Kater am Tag nach dem "Genuss" von solchen Weinen war berühmt/berüchtigt (hervorgerufen durch Vergiftungserscheinungen wegen der Fehlgärungen). Zum Glück hat hier aus wirtschaftlichen Gründen inzwischen flächendeckend ein Umdenkprozess stattgefunden, weil solche Weine nicht mehr gefragt waren. Schilcher, Uhudler usw. haben sich daher auch zu hochwertigen Qualitätsweinen entwickelt.
Eintrag Nr. 3411
Hallo,
ich habe mich nun ein wenig eingelesen und werd mir auch noch Lektüre besorgen bevor ich wirklich starten will, hab aber ein paar Fragen die mir unter den Nägeln brennen:
Ich gehe jetzt mal von eine ~6L Anlage aus. Ich möchte mit möglichst geringem Aufwand(Kosten) geschmacksneutralen Schnaps bekommen den ich dann verfeinern kann.
Zuckerwasser ist doch da eine gute Wahl oder?
In die 6L Anlage kommen etwa 4,5-5L Zuckerwasser, mit wieviel Schnaps kann ich bei der Menge rechnen und wieviel Prozent hat das Ergebnis etwa?
Wie ist es mit dem Zeitaufwand für diesen Durchgang? Hab von 45 Minuten bis 5 Stunden schon alles gehört.
Welches Wasser verwendet man zum Lösen des Zuckers?
Danke schonmal für Antworten und ein Lob an die Seite
WS, Bayern
19.Jun.2010 09:59:35
ad 1) Ja
ad 2) Da dies nur mit Turbohefe sinnvoll ist, hat die Maische ca. 20%vol. Bei 5 Liter entspricht dies ca. 1,5 bis 2 Liter Alkohol mit 40%vol (Nachlauf grob geschätzt bereits abgezogen).
ad 3) Das hängt vom Anlagentyp und der Heizleistung ab, die Sie verwenden. Bei einer Pot-still sind es inkl. Aufheizzeit durchaus bis zu 5 Stunden, da aus qualitativer Sicht nicht all zu schnell destilliert werden sollte. Bei einer amazing still dauert der Prozess jedoch einige Tage. 45 Minuten scheint mir übertrieben bzw. es handelt sich dabei um die reine Destillierzeit, mit (zu) starker Heizung, ohne Aufheizzeit / Nachlaufabtrennung. Mein Tipp wäre für diesen Zweck eine Rektifikationskolonne zu verwenden. Nicht vergessen dürfen Sie die anschließende Reinigung mit Aktivkohle, die auch nicht in 5 min abgeschlossen ist.
ad 4) Leitungswasser
Danke, das freut uns!
Eintrag Nr. 3410
Hallo Herr Schmickl,
vielen Dank für Ihre Antwort (Eintrag 3400).
Abschließend zu meinem Eigenbau möchte ich nur noch gerne wissen, ob es ratsam oder sinnvoll ist, ein Manometer (sicherlich mit Edelstahlanschluß, statt Messing) zu verbauen.
Es möchte sicher niemand, daß einem der Kessel um die Ohren fliegt. Kann denn überhaupt Druck entstehen? Und wenn, wieviel Druck ist denn normal oder OK? Ab welchem Druck sehe ich, daß meine Rohrdimensionen nicht stimmen?
Vielen Dank im Voraus.
Gruß Ronald
Ronald, Schweiz / Oberlausitz
15.Jun.2010 09:50:18
Kein Problem, sorry für die Verzögerung.
Wie im Buch nachzulesen, darf in der Brennanlage KEINESFALLS ein Überdruck entstehen! Die Destillation erfolgt prinzipiell drucklos. Die Rohre müssen so dimensioniert sein, dass sich der Druck, der durch den Dampf beim Kochen entsteht, über den Kühlerausgang problemlos abbauen kann. Oder anders formuliert: der Druckausgleich muss über den Kühlerausgang gewährleistet sein. Eine hermetisch abgeschlossene Brennanlage würde beim Erhitzen explodieren.
Fazit: kein Manometer erforderlich, denn wenn irgendwas den Kühler beim Brennen verstopft merken Sie das so auch sehr deutlich, weil dann kein farbloses, dünnflüssiges Destillat mehr herauskommt, sondern kochender Obstbrei. Noch lange bevor es ordentlich Bumm macht.
Manometer ist nur für den Mantel eines Doppelmantelkessels notwendig, aber das ist eine andere Geschichte.
Eintrag Nr. 3409
Hallo,
ich hab im Internet die Amazingstill aus Plastik gefunden. Wenn man dort die maische reinstellt soll ja der Alkohol verdunsten, verdunstet dann aber nicht auch das Wasser aus der Maische?
Kann aus einer Zucker Maische Methanol entstehen?
Vielen Dank
Max
Max, Europa
11.Jun.2010 18:13:16
ad 1) Selbstverständlich verdunstet dann auch das Wasser, auch beim Kochen (Destillieren) verdampft nicht nur reiner Alkohol, wie im Buch "Schnapsbrennen als Hobby" sehr ausführlich und für Laien leicht verständlich nachzulesen ist.
Aber: beim Kochen verdampft mehr Alkohol als Wasser, dies macht Schnapsbrennen überhaupt möglich. Wegen dem Wasseranteil muss daher bei geringem Alkoholgehalt auch doppelt gebrannt werden. Beim Verdunsten ist es ähnlich, nur ist der Prozeß viel langsamer. Aus einer Alkohol-Wasser-Mischung kommt wieder eine Alkohol-Wasser-Mischung heraus, allerdings mit einem höheren Alkoholgehalt als vorher.
ad 2) Nein. Methanol ist jedoch nicht mit Vorlauf zu verwechseln. Bitte nutzen Sie die Suchfunktion! Und wieder: Buch lesen...
Eintrag Nr. 3408
Hallo,
wir wollen möglichst einen hohen Alkoholgehalt erhalten, von 70-96%. Muss da mehrmals gebrannt werden oder geht es auch anders?
Gleie, mallorca
09.Jun.2010 19:53:42
Das hängt von der Konstruktion der Brennanlage und vom Alkoholgehalt der Maische ab. Bei Potstills muss für >70%vol zumindest zwei bis drei mal hintereinander gebrannt werden, bei Rektifikationsanlagen hat das Destillat bereits nach einem Brenndurchgang ca. 94%vol, wenn die Kolonne hoch genug ist (zumindest eineinhalb Stockwerke).
Sehr detaillierte Infos diesbezüglich finden Sie im Buch "Schnapsbrennen als Hobby".
Eintrag Nr. 3407
Hallo Herr Schmickl,
Ich komme mal wieder mit einer speziellen Frage. Beim Brennen von Wein entsteht im Destillat "schwefelige Säure" H2SO3. Gemessener pH Wert ca. 3. Auch durch langanhaltendes einleiten von Luft durch Quirlen konnte ich diesen Wert nicht erhöhen. Nun kam mir die Idee die Säure zu neutralisieren. Ich leitete das Destillat durch einen Filter, in dem sich Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) NaHCO3 befand. Im Filtrat konnte ich danach einen pH Wert von 7 messen und am Boden des Kolben lagerten sich, wie ich vermute, Kristalle aus Natriumsulfit Na2SO3 ab. Diese konnte ich gut mit einem Faltenfilter abfiltern. Das Ergebnis war ein pH neutraler Alkohol. Nun zu meiner Frage: Kann man auf diese Weise die Schwefelige Säure entfernen ohne gesundheitliche Nachteile durch den Genuss des Alkohols zu erwarten. Und? Lässt sich das Natriumsulfit durch das ausfiltern der Krisralle grösstenteils entfernen.
Liebe Grüsse aus Gmunden
Michael Höllering
Michael Höllering, OÖ
06.Jun.2010 17:13:43
Die Idee ist durchaus nicht schlecht. Das was da im Filtrat ausfällt könnte durchaus Natriumsulfit sein, weil dieses Salz in Wasser leicht und in Ethanol schlecht löslich ist. Giftig ist das Filtrat jedenfalls nicht.
Anmerkung 1: Im Backpulver ist außer Natriumhydrogencarbonat jedoch auch ein Säuerungsmittel enthalten, sonst käme es nicht zur CO2-Bildung. Je nach Fabrikat ist dies entweder ein saures Salz (Phosphate) oder eine organische Säure wie z.B. Zitronensäure. Es wäre daher empfehlenswert tatsächlich reines NaHCO3 (Natron) zu verwenden (in der Apotheke erhältlich), sonst treiben Sie den Teufel mit dem Beelzebub aus.
Anmerkung 2: pH 3 ist nur sehr schwach sauer, z.B. hat frisch gepresster Apfelsaft fast diesen Wert. Um Fehlgärungen zu verhindern, wird die Maische auch auf 3 - 3,5 angesäuert (= Säureschutz). Wenn die Maischen richtig behandelt wurden, ist der Brand daher auch nicht neutral. Der Neugier halber haben wir einmal pH bei Obstbränden gemessen (Maischen wurden mit Biogen M angesäuert), Werte waren je nach Obstsorte zwischen 3,5 und 4,5.
Anmerkung 3: Wir haben eine mit Biogen M angesäuerte Maische (pH ca. 3,2) mit Natronlauge titriert und den Säurewert in Essigsäure umgerechnet, weil der pH-Wert zur Messung des Säuregehalts leider viel zu ungenau ist. Das Ergebnis war 0,3% Essigsäure. Zum Vergleich: handelsüblicher Essig enthält zumindest 5,0% Essigsäure.
Fazit: Ihr Destillat aus geschwefeltem Wein ist somit dermaßen schwach sauer, dass es diesbezüglich eigentlich nicht weiterbehandelt werden muss.
Eintrag Nr. 3406
Hallo
Darf ich meine Zuckermaische zwischendurch umrühren? Ich finde sie gärt sehr langsam (so alle 20sek ein blubb, 2 Tage alt)
Danke im vorraus
monteur, EL
29.Mai.2010 09:01:36
Ja, selbstverständlich! Wenn es mit der richtigen Hefe (Turbohefe) zu langsam gärt ist entweder zu wenig Nahrung (Zucker) enthalten oder es ist zu kalt. Stellen Sie das Gärfass in einen Raum mit ca. 22°C, dann sollte es schneller gären (wenn noch genug Zucker enthalten ist).
Anmerkung: "normale" Hefen haben Probleme mit der Vergärung von Disacchariden (Kristallzucker), daher sollte bei Zucker/Wasser-maischen die Turbohefe verwendet werden. --> siehe Buch
Eintrag Nr. 3405
Wer kann mir erklären, wie ich Eichenschnitzel toaste?
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Georg, CH
28.Mai.2010 11:57:12
Auf Alu-Schale mit Löcher (ist ein Grillzubehör) geben, eventuell zudecken und auf einer Herdplatte oder kleinen Flamme rösten bis der gewünschte Farbton erreicht ist. Oder stattdessen ein alte (nicht beschichtete!) Pfanne verwenden.
Eintrag Nr. 3404
Hallo Hr. Schmickl,
ich habe letztes Jahr, Ende Oktober, Quitten eingemaischt. Ich habe sehr sauber und nach den Vorgaben Ihres Buches gearbeitet. Der Gärprozess hat sich auch einwandfrei vollzogen und es riecht zu Zeit im Fass schön aromatisch und alkoholisch. Sobald die Blasenbildung aufgehört hatte, habe ich auch aufgehört den Fruchtkuchen regelmässig wieder unterzurühren. Leider schwimmt dieser auch heute (Mitte Mai) noch auf. Mein Brenner sagte mir Mitte Dezember, ich solle die Maische jetzt nicht mehr umrühren, der Kuchen geht nach völligem Abschluss der Gährung von alleine unter. Dies ist nun 5 Monate her und der Kuchen schwimmt immer noch auf. Ist dies in Ordnung und wie lange benötigt in der Regel Quittenmaische bis sie brennfähig ist? Wenn der Fruchtkuchen längere Zeit aufschwimmt, wird er doch trocken und ich glaube mich zu erinnern, dass Sie in Ihrem Buch schreiben, dass dadurch die Qualität der Maische leidet.
Für eine Antwort bin ich Ihnen dankbar.
Grüsse nach Österreich
Frank Blies
Frank Blies, Hessen / Deutschland
17.Mai.2010 00:37:40
Was der Brenner Ihnen gesagt hat, ist vollkommen richtig. Dennoch zwei Anmerkungen:
- bei sehr breiigen Maischen mit einem sehr geringen Flüssigkeitsanteil (z.B. Quitte!), ist oft nicht genug Flüssigkeit vorhanden, dass der Fruchtkuchen deutlich erkennbar zu Boden sinken kann. In diesem Fall bildet sich oben nur eine sehr dünne Flüssigkeitsschicht (einige mm manchmal auch cm tief).
- Bei Birne haben wir einmal das Gärende übersehen, weil der Fruchtkuchen ganz einfach stecken geblieben ist. Er war so fest, dass er erst nach dem händischen Zerkleinern zu Boden gesunken ist.
Eintrag Nr. 3403
Nachdem ich mit viel Zeit das Buch und die mehreren tausend Fragen, die hier mit viel Mühe vom Autor beantwortet wurden, durchgearbeitet habe, habe ich eigentlich keine Fachfragen mehr. Vielleicht kommt das noch? Dutzende von gleichen Fragen, wie z.B. rechtliche Fragen des Schnapsbrennen in Deutschland sind 100-mal und mehr beantwortet worden. Will sagen, wer zu faul ist, bei Seite 1 anzufangen, der hat nicht viel Interesse an dem Hobby. Denn bei mir ist es eines, da ich nur die kleine Vectoranlage besitze, und es damit ein mühevolles Vorgehen ist, schon 0,7 l guten Ethanol zu produzieren, um damit z.B. guten Likör anzusetzen oder ähnliches. Meine Meinung: Bevor man hier eine Frage stellt, nachforschen, ob sie nicht schon beantwortet ist, denn dadurch erspart man sich ein langes Durchsuchen (wenn 50 gleiche Frage dabei sind, verlängert sich alles - und dem Doktor nimmt man einiges an Zeitaufwand. Danke für die Eure Aufmerkamkeit! Tolle Webseite!
LG aus Berlin
Jörg Wernicke
Jörg Wernicke, Berlin
15.Mai.2010 14:22:55
Vielen Dank für diesen sehr wichtigen Hinweis!
Eintrag Nr. 3402
Hallo
Ich habe meine erste Birnenmaische destilliert. Der Vorlauf riecht sehr fein, doch der Mittellauf riecht wie Wasser... Als ich es bemerkt habe, habe ich die Destillation abgebrochen. Habe gut 2 Liter Maische eingefüllt, für den Vorlauf habe ich gut 3 dl genommen. Der Mittelauf hatte bis zum Unterbruch ebenfalls 3 dl.
Was habe ich falsch gemacht?
Vielen Dank & Gruss
Lucia
Lucia, Schweiz
08.Mai.2010 22:27:29
Leider fehlen für eine kompetente Antwort genauere Angaben: wie wurde eingemaischt, welcher Anlagentyp, Verlauf Alkoholgehalt/Temperatur, Kesselgröße usw. Es könnte durchaus sein, dass Sie mit dem vermeintlichen Vorlauf einen Großteil vom Edelbrand weggeschüttet haben. 300 ml bei 2 Liter Maische sind sehr viel.
Ich kann Ihnen diesbezüglich nur das Buch "Schnapsbrennen als Hobby" wärmstens empfehlen, darin ist dieses Thema sehr ausführlich und für Laien leicht verständlich erklärt.
Eintrag Nr. 3401
Hallo, hier ein kleiner Tipp zum Ansetzen der Maische, falls mal kein Gäraufsatz zur Verfügung steht. Einfach einen Schlauch nehmen, ihn luftdicht an den Gärbehälter anschließen und ihn in ein Glas Wasser führen, fertig. Viele Aquarianer erzeugen ja auch auf ähnliche Art CO2 als Pflanzendünger.
Übrigens eine sehr gut gemachte Seite mit vielen tollen Tipps und Rezepten, bitte weiter so!
LG aus Berlin
Jörg
Jörg Wernicke, Berlin
04.Mai.2010 12:23:40
Danke für den Tipp!
Der Schlauch sollte nur vorher in ein leeres Glas führen, von dort dann erst in das Glas mit Wasser. Wenn im Fass ein Unterdruck entsteht (tritt bei Temperaturschwankungen bei ausgegorenen Maischen auf) wird dann der (inzwischen vergammelte) Inhalt aus dem Wasserglas nicht in das Gärfass gesaugt.
Danke, wir werden uns bemühen!
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